Sisi im Film

 

Das Buch zum Film

Eine besondere Kategorie innerhalb der Sisi-Bibliographie nehmen die Bücher zum Film ein, die seit den 1950er Jahren im Zuge der „Sissi“-Filme von Ernst Marischka veröffentlicht wurden.

Hierbei handelt es sich um „Romane zum Film“, also im weitesten Sinne um Merchandising-Artikel zur Filmtrilogie. So wie es Filme gibt, die auf Büchern basieren, ist es ein übliches Mittel im Filmmarketing, zu aktuellen Filmen die entsprechende Begleitliteratur zu veröffentlichen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Nacherzählungen der Filmhandlung in Romanform oder im Falle großer Franchises wie etwa „The Lord of the Rings“ oder „Star Wars“ auch um Beschreibungen der Dreharbeiten und der Entstehung der Spezialeffekte.

Eine wirklich allumfassende Veröffentlichung über die Entstehung der „Sissi“-Filme fehlt bisher im großen Repertoire der Sisi-Literatur. Auch ist es bislang noch nicht gelungen, alle Filme, in denen die Kaiserin eine Rolle hat, zu erfassen, um so einem wissenschaftlichen Ansatz über die Kaiserin als Filmfigur zu erfüllen. So muss man sich seine Informationen über die Filme und ihre Entstehungsgeschichte aus verschiedenen Quellen zusammenlesen.

2006 veröffentlichte das Hamburger Romy Schneider Archiv unter dem Titel „Romy Schneider. Mythos Sissi“ einen Sammelband über die Trilogie, die den Weltruhm der jungen Schauspielerin bereiten sollte. Der schmale Band versammelt hierbei die Texte, die unter www.romy.de zum Thema „Sissi“ veröffentlicht wurden, sowie die Texte der Filmprogramme, Fotos von den Dreharbeiten und eine ziemlich beeindruckende Auswahl von Zeitungscovern, Filmplakaten, Aushangfotos und einiger mitunter skuril anmutender Film-Souvenirs, vornehmlich aus Spanien. Der Band erschien nur in geringer Auflage und ist mittlerweile vergriffen. Interessant ist er vor allem aufgrund des Bildteils, da die Filmsouvenirs sicherlich ein Kuriositätenkabinett darstellen. Es wäre spannend gewesen, etwas mehr über den Kult, den es wohl aufgrund einer solchen Vielfalt an Merchandiseartikeln gegeben hat, zu erfahren. Bedenkt man zudem die Tatsache, dass das Zielpublikum dieser Publikation (Romy Schneider- bzw. Sisi-Sammler) wahrscheinlich eh die Filmprogramme sein Eigen nennt, ist es ziemlich schade, dass der Hauptteil des Buches aus den abgedruckten Texten der Filmprogramme besteht. Da Romy Schneider 1972 in Luchino Viscontis „Ludwig II.“ ebenfalls in der Rolle der Kaiserin zu sehen war, wäre es ebenfalls wünschenswert gewesen, man wäre vielleicht auch noch auf dieses Thema eingegangen. Den „Mythos Sissi“ beleuchtet das Buch leider nicht, vielmehr reißt er ihn nur oberflächlich an.

Saskia Lugmayr veröffentlichte 2008 an der Universität Wien eine Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte über die „Sissi“-Filme Ernst Marischkas. Dabei zieht die Autorin Parallelen zwischen Bildeinstellungen innerhalb der Trilogie und Gemälden aus verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte. Der Schwerpunkt liegt hier also nicht maßgeblich auf den Filmen als solche, sondern auf der Bildanalyse einzelner Filmszenen. Das Ergebnis ist ziemlich interessant, allerdings sollte man sich schon für das Thema Bild- und Filmanalyse begeistern können.

Den Großteil an Veröffentlichungen über die „Sissi“-Filme nehmen jedoch die typischen Romane zum Film ein. Interessant ist hierbei die Tatsache, dass es scheinbar für jedes Land eine eigene Publikation gab und nicht etwa die Übersetzungen deutscher Bücher auf den ausländischen Markt kamen.


Die Romanadaptionen von Ernst Marischka und Sophie von Zanardi

Ernst Marischka veröffentlichte 1959 mit „Sissi. Ein Filmroman“ die Romanversion seiner erfolgreichen Drehbücher. Der Inhalt gibt jedoch nicht nur die Handlung des ersten Films „Sissi“ wieder, sondern auch die der Fortsetzungen „Sissi, die junge Kaiserin“ und „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“. Da das Buch nur etwas mehr als 200 Seiten besitzt, ist die Geschichte ziemlich knapp wiedergegeben. Im Mittelteil befinden sich Farbfotos aus allen drei Filmen. Das Cover zeigt Romy Schneider als Kaiserin, wie sie eine Kerze anzündet.

Ausführlicher als Ernst Marischka widmete sich 1998 Sophie von Zanardi der Aufgabe, die Filme in Romanform zu packen. Zum hundertsten Todestag der Kaiserin wurde damals eine aufwändige Box im Stil der „Sissi“-Filme veröffentlicht. Die drei Bände erzählen die Geschichte der „Sissi“-Filme in ziemlich trivialer Romanform und schrecken auch vor Logiklöchern nicht zurück.

Ebenfalls 1998 und im selben Verlag wie die Zanardi-Bücher erschien der Bildband „Sissi, das Leben einer Kaiserin“ von Karin Petra Rudolph. Der „Bildband zu den Originalfilmen“ (Untertitel) beschäftigt sich nicht, wie man irrtümlich annehmen mag, mit dem Leben der historischen Kaiserin, sondern erzählt lediglich den Inhalt der Filmtrilogie nach. Den Hauptteil machen jedoch die sehr schön ausgewählten Szenenfotos aus den drei „Sissi“-Filmen aus. Über die Dreharbeiten oder über die echte Kaiserin erfährt man allerdings leider nichts.

Bob Wallagh veröffentlichte in den Niederlanden drei Romane, die ihre Vorlage in den „Sissi“-Filmen hatten. Die beiden Bände „Sissi – Keizerin uit liefde“ und „Sissi – Keizerin en moeder“, die wahrscheinlich aus den 1960er oder 1970er Jahren stammen, wurden 1983 in dem Sammelband „Sissi, de jonge keizerin“ in Amsterdam erneut veröffentlicht. Wann die beiden Romane zuerst erschienen, konnte ich nicht herausfinden. Allerdings muss die Veröffentlichung nach 1959 erfolgt sein, da das Cover von „Sissi – Keizerin uit liefde“ Romy Schneider nicht als Sissi, sondern als Katja in dem Film „Katja, die ungekrönte Kaiserin“ von 1959 zeigt. Der Sammelband von 1983 zeigt ein Foto von Romy Schneider aus dem Film „Robinson darf nicht sterben“, hat also mit Sissi gar nichts mehr gemeinsam.


Die niederländischen Romane "Sissi - keizerin en moeder" und "Sissi - keizerin uit liefde" von Bob Wallagh

Ebenfalls von den Marischka-Filmen inspiriert wie die spanische Bruguera-Reihe präsentiert sich die „Sissy“-Reihe der deutschen Autorin Marieluise von Ingenheim. Die fünfzehnbändige Reihe wurde in den 1990er Jahren vom Wiener Tosa-Verlag veröffentlicht und wird nun über den Breitschopf-Verlag auch in anderen europäischen Ländern und sogar in Japan vertrieben. Die Cover der alten Tosa-Bände, die in mehrfacher Auflage erschienen, orientieren sich an Szenenbildern aus den „Sissi“-Filmen, die neue Breitschopf-Ausgabe geht eigene Wege. Allerdings handelt es sich bei der „Sissy“-Serie nicht um eine Nacherzählung der Filmhandlung, sondern um eine Romanserie, die sich mit dem Leben der Kaiserin beschäftigt und eine eigenständige Storyline aufweist.

 


Ein Band aus der Sissy-Reihe von Marieluise von Ingenheim, der sich eindeutig das Filmplakat zum ersten "Sissi"-Film als Vorbild

 

Eviva Sissi!

 

I am from Barcelona...

Editorial Bruguera aus Barcelona war bis Mitte der 1980er Jahre der größte spanische Verlag für Comics und Taschenbücher. 1910 unter dem Namen El Gato Nero gegründet, spezialisierte sich der Verlag auf populäre Biographien, Fortsetzungsromane und leichte Literatur. Nach dem zweiten Weltkrieg, und seit 1939 unter dem Namen Editorial Bruguera, wurde das Sortiment um Romanreihen und Comicserien erweitert. Bruguera veröffentlichte nun nicht nur in Spanien seine Publikationen, sondern auch in Lateinamerika. Ab den 1960er Jahren übernahm Bruguera in Lizenz auch den Vertrieb nicht-spanischer Comics wie z.B. Asterix aus Frankreich, in den 1970er Jahren erschienen dann auch die amerikanischen Marvel-Comics in Spanien bei Bruguera. Trotz des Erfolges von Bestsellern wie etwa „Chonik eines angekündigten Todes“ von Gabriel Garcia Marquez Anfang der 1980er war der Untergang Brugueras nicht aufzuhalten. Vor allem wirtschaftliche Probleme auf dem lateinamerikanischen Markt wie etwa die rapide Abwertung des mexikanischen Peso machten dem Unternehmen zu schaffen. 1986 musste das Familienunternehmen Bruguera die Pressen stoppen und den Betrieb einstellen. Die Firma wurde zu einem Teil von der spanischen Mediengruppe Grupo Zeta übernommen. Unter dem neuen Namen Ediciones B veröffentlicht der Verlag bis heute Romane, Kinderbücher, Biographien und Comics. Neben Neuauflagen alter Bruguera-Reihen vertreibt Ediciones B unter anderem die Comics zur Fernsehserie „Die Simpsons“ als Lizenznehmer für Spanien und einige Länder Lateinamerikas.

 

Sissi“ erobert die Welt – mit Merchandising

Die „Sissi“-Filme mit Romy Schneider in der Titelrolle waren in Spanien überaus erfolgreich. Wie auch heute bei großen Blockbustern üblich, ließ auch in diesem Fall eine ganze Reihe von Merchandisingartikeln nicht lange auf sich warten. (s. auch „Das Buch zum Film“) In Spanien erschien eine ganze Reihe von „Sissi“-Artikeln. Der Band „Romy Schneider. Mythos Sissi“ (Hamburg 2006) des Romy Schneider-Archivs verzeichnet eine ganze Doppelseite von Fanartikeln aus der Zeit der Trilogie, darunter so skurile Dinge wie Ankleidepuppen aus Papier im Sissi-Look.

Die Rechte für diese Veröffentlichungen lagen bei Editorial Bruguera. Ernst Marischkas Roman zu den „Sissi“-Filmen wurde ebenso in Barcelona publiziert wie weitere Bücher und Printmedien zum Film.

 

Derselbe "Sissi"-Roman, unterschiedliche Covergestaltung: die spanische und die niederländische Ausgabe von Marcel d'Isards Roman "Sissi und der Walzerkönig"

 

Die „Sissi“-Romane: Eine französisch-spanische Co-Produktion

Neben Marischkas Romanadaption seiner „Sissi“-Filme erschienen auch eigene „Sissi“-Romane innerhalb der Reihe „Historias Seleccion“. Die Romane „Sissi“ und „Sissi emperatriz“ erzählen jeweils die Handlung der ersten beiden Filme nach und stammen von José Maria Carbonell. Einen Roman zum dritten Teil „Schicksalsjahre einer Kaiserin“ („El destino de Sissi“ auf Spanisch) gibt es nicht.

Editorial Bruguera veröffentlichte nicht nur Filmprodukte in Lizenz oder historische Romane, wie die „Historias Seleccion“, sondern hatte auch ein großes Sortiment an Comics. Neben den oben genannten Lizenzen ausländischer Comics wie etwa von Marvel veröffentlichte der Verlag auch eigene Comicreihen, die in Spanien einen eigenen Stil, die sogenannte Escuela Bruguera, begründeten. Als die „Sissi“-Romane erschienen, hatte Bruguera bereits eine lange Tradition als Veröffentlicher von Comics. So verwundert es auch nicht, dass auch die Kaiserin – wenn auch nur als „Sissi“ - zu Comicehren kam. Die Romane zum Film sind entsprechend mit illustrierten Seiten im Comic-Stil illustriert, die die entsprechende Handlung noch einmal bildlich darstellen. Auch wenn für den grafischen Part dieser ersten beiden „Sissi“-Bände von verschiedenen Zeichnerinnen gestaltet wurde (Maria Pascual Alberich und Maria Barrera Castelles), so halten sich die Bilder an die Szenen aus dem Film und stellen eindeutig Romy Schneider als Kaiserin und Karlheinz Böhm als Kaiser dar. Auch die anderen Figuren sind eindeutig den Schauspielern aus den Filmen nachempfunden. Selbst die Nebenhandlung um Leutnant Böckl, die ja zum Beispiel für die amerikanische Version der „Sissi“-Filme „Forever my love“ beinahe vollkommen rausgeschnitten wurde, wird hier dargestellt.

  
Links: Das Cover zum Roman "Sissi emperatriz" zum zweiten "Sissi"-Film
Rechts: In den Comic-Romanen durfte sogar Leutnant Böckl wieder auftreten (hier ein Ausschnitt aus "Sissi")

 

1958 erschien in Frankreich mit dem Roman „Sissi jeune fille“ von Odette Ferry innerhalb der „Idéal bibliothèque“ des Verlags Editions Hachette der erste Band einer weiteren Romanreihe um das Leben der Kaiserin von Österreich. Wie sich am Titel erkennen lässt, geht es in diesem Band um die Jugendjahre Elisabeths, bevor sie Kaiserin wurde. Bereits 1959 erschienen die Fortsetzungen „Sissi impératrice“ und „Sissi face à son destin“, ebenfalls von Odette Ferry. Im Folgenden wurde die Reihe von verschiedenen Autoren, unter anderem Marcel d'Isard, fortgeführt. Die „Sissi“-Reihe war auch außerhalb Frankreichs äußerst erfogreich und wurde auch auf Niederländisch veröffentlicht und immer wieder neu aufgelegt.

Nach dem dritten Band übernahm Editorial Bruguera die Rechte für den spanischspachigen Raum und führte somit seine eigene „Sissi“-Serie mit der französischen zusammen. Somit entstand eine neunzehnbändige Romanreihe über das Leben der Kaiserin von Österreich, die es in dieser Form in keinem anderen Land der Welt gibt. Selbst im deutschsprachigen Raum, der ein weitaus größeres Angebot an Literatur über die Elisabeth hat, gibt es keine Romanreihe dieser Größe.

Die „Sissi“-Romane beider Verlage wurden sowohl in Spanien wie auch in Frankreich bis in die 1980er Jahre immer wieder neu aufgelegt und erfreuten sich wohl außerordentlicher Beliebtheit, da nach wie vor viele Bücher auf den entsprechenden Seiten im Internet zu doch relativ niedrigen Preisen angeboten werden, also nicht besonders selten sind. Bemerkenswert ist hierbei, dass man mit dem Fortschreiten der Reihe, ab etwa Band 8, nur noch selten Angebote aus Frankreich findet und die spanischen Bände hier zu überwiegen scheinen. Entweder wurden die folgenden Bände in niedriger Auflage gedruckt und sind dementsprechend wirklich selten oder die Reihe wurde in Frankreich irgendwann eingestellt und lediglich von Editorial Bruguera in Spanien weiter veröffentlicht. Für letzteres spricht die Tatsache, dass die Romane nicht nur von französischen, sondern auch von spanischen Autoren geschrieben wurde. Es ist also durchaus möglich, dass innerhalb der französischen Reihe einige Romane der spanischen Version fehlen.

    
Ein Einblick in den Roman "Sissi, emperatriz", der die Handlung des zweiten "Sissi"-Films nacherzählt

Ein weiterer Unterschied der beiden Serien ist die grafische Gestaltung. Während die Romane von Editions Hachette in Frankreich und auch in den Benelux-Staaten klassische Romane ohne Illustrationen innerhalb des Buches sind, führte Editorial Bruguera die Tradition der Comic-Filmszenen aus den ersten beiden „Sissi“-Bänden fort. Die Zeichnungen zeigen hier also, wie mögliche Fortsetzungen der „Sissi“-Trilogie aussehen hätten können. Im Vergleich zu den beiden Romanen von Carbonell hielten sich hier die Zeichner jedoch mit dem Fortschreiten der Serie nicht mehr in jeder Hinsicht an die filmischen Vorbilder. Die optischen Ähnlichkeiten mit den Schauspielern verwischen nach und nach immer mehr. Zwar hat Sissi durch die Reihe hindurch eine gewisse Ähnlichkeit mit Romy Schneider, Kaiser Franz Joseph – oder Francisco José, wie er hier heißt – wird zunehmend gesichtsloser und erinnert im Verlauf der Reihe immer mehr an Barbies Ken, denn an Karlheinz Böhm oder gar den historischen Kaiser.

Die Romane halten sich nach dem Ende der Trilogie selbstverständlich nicht mehr an den Verlauf der Filmhandlung, sondern erzählen eigenständige Geschichten aus dem Leben der Kaiserin. Titel wie „Sissi y el vals de Strauss“ oder „Sissi en la isla de las rosas“ zeigen an, dass hier eher biographische Begebenheiten in eine meist romantische Romanhandlung gepackt werden. Diese spanisch-französische Romanserie ist weniger eine Biographie der Kaiserin, als vielmehr eine Sammlung von historischen Liebesromanen mit Sissi als romantischer Heldin. Mitunter wird die historische Romanhandlung auch in eine moderne Rahmenhandlung gepackt wie z.B. im Roman „Sissi en el Tyrol“, bei dem ein junges Pärchen in den tiroler Alpen eine Autopanne hat und in einer Berghütte eine Geschichte aus dem Aufenthalt der Kaiserin in Tirol hundert Jahre zuvor erzählt bekommt.

Die „Sissi“-Romane sind in dieser Form weltweit einzigartig und ein deutliches Beispiel dafür, wie unterschiedlich ein und dasselbe Buch in verschiedenen Ländern veröffentlicht wird. Die doch ziemlich schmucklose französische Ausgabe verblasst im Vergleich zu den wunderschön gestalteten und gezeichneten Bänden der spanischen Ausgabe. Zudem zeigt die spanische Version von Editorial Bruguera, wie es gelang, den Kult um die „Sissi“-Filme noch fortzuführen, während die Filme bereits lange aus den Kinos verschwunden waren. Die Zeichnungen wirken wie Storyboards aus Filmen, die nie gedreht wurden und somit fast schon selber ein kleines Stück Kinogeschichte.


Folge 5 des Fotoromans zum Film "Sissi, die junge Kaiserin"

 

Bruguera Fotoromane

Gleichzeitig zur Veröffentlichung der „Sissi“-Filme in Spanien erschienen bei Editorial Bruguera Fotoromane, die in Fortsetzung die Geschichte der Filme noch einmal bildlich darstellten. Die Seiten der kleinen Heftchen sind ähnlich wie die Foto-Love-Stories aus der Bravo gestaltet. In die Szenenbilder aus dem Film wurden die Dialoge und ein Erzähltext in Form von Sprechblasen ähnlich wie in einem Comic eingefügt.

Das Umschlagbild war nachcoloriert, mitunter in etwas verfremdender Farbgebung. Die eigentlichen Inhaltsseiten sind in schwarz-weiß, die Texte selber in weiß gehalten. Wie man an dem Beispiel aus „Sissi emperatriz“ („Sissi, die junge Kaiserin“) sehr schön erkennen kann, hat man sich sogar die Mühe gemacht, den ungarischen Textteil, den Sissi anlässlich der Krönung zur Königin von Ungarn in einer Rede an das Volk sagt, in diese Sprechblasen aufzunehmen.

 

Unsere Sissi – einfach zuckersüß!


Heute gesuchte Sammlerstücke: Die Sammelalben zu den drei "Sissi"-Filmen aus Spanien

Auch heute noch sind Sammelalben zu Filmen nichts Besonderes im Merchandisingbereich. Sammelalben haben den Vorteil, dass man die Filmfans möglichst lange an ein Produkt bindet, denn schließlich ergibt ein solches Album nur dann Sinn, wenn man auch alle Bilder zusammen hat. Der bekannteste Anbieter solcher Sammelhefte dürfte der italienische Panini Verlag sein.

Der Kunde muss sich also immer wieder neue Stickertütchen besorgen, um das Heft komplett voll zu bekommen und natürlich weiß er vorher nicht, welche Bilder in den Tüten verborgen sind und muss so ständig weitersammeln. Viele Filmfirmen gehen zu Werbezwecken auch Kooperationen mit Firmen aus anderen Bereichen, zum Beispiel Lebensmittelherstellern, ein. Hinter dem scheinbar so mordernen Begriff „Cross-Marketing“ verbirgt sich letztlich nichts anderes, als dass man die Bilder zum Sammelalbum auf den Verpackungen von Schokoriegeln oder anderen Produkten findet, die in der Regel auf die Zielgruppe des Filmes zugeschnitten sind. Heute findet man diese Form der Filmvermarktung häufig bei Kinder- und Zeichentrickfilmen, vor allem in Zusammenhang mit typisch kinderaffinen Produkten wie z.B. Süßigkeiten.

Im Zuge des spanischen Filmstarts der „Sissi“-Filme bestritt Editorial Bruguera genau diesen Weg des Cross-Marketing und kooperierte mit einer Zuckerfirma bei der Erstellung und dem Vertrieb von „Sissi“-Sammelalben.Die Sammelbildchen lagen den Zuckerpackungen der Firma bei und wurden in den spanischen Supermärkten verkauft. Interessant ist sicherlich, dass es sich ausgerechnet um Zucker handelte. Einerseits ist Zucker bei Kindern sehr beliebt, zumal es in den 1950er Jahren noch kein großes Sortiment an Süßigkeiten gab, andererseits sind es aber vor allem Hausfrauen, die Zucker einkaufen. Die Zielgruppe der Sammelalben waren also nicht nur Kinder (sicherlich vornehmlich Mädchen), sondern auch Frauen, die sich mit den Bildern aus den „Sissi“-Filmen ein wenig kaiserlichen Glanz in ihren Alltag holen sollten. Hatte nicht auch Ernst Marischka Romy Schneider einst gesagt, dass sie mit ihrer Darstellung der Kaiserin alle jungen Mädchen Europas zum Träumen bringen würde?


Die Sammelalben erzählen die Handlung der "Sissi"-Filme Szene für Szene nach

In der Folge entstand eines der schönsten Filmsouvenirs, das jemals zu den „Sissi“-Filmen geschaffen wurde. Die insgesamt drei Sammelbände erzählen die Handlung der „Sissi“-Filme Szene für Szene in ausführlicher Form und präsentieren so die Filme in einer Mischform aus Bilderbuch und Erzähltext, quasi als Hybridform aus den ausführlichen „Sissi“-Romanen und den knapp gehaltenen Sprechblasen der Fotoromane. Ähnlich wie bei den farbigen Covern der Fotoromane wurde auch hier nachcoloriert, allerdings sind hier alle Bilder in Farbe. Die Nachcolorierung verzerrt hier die Originalfarben aus dem Film mitunter sehr stark, so dass zum Beispiel die Farben der Kleidung nicht mehr mit dem Original im Film übereinstimmen. Der Effekt ist ein wenig mit dem auf nachcolorierten Schwarz-Weiß-Fotos zu vergleichen. Die Farben wirken unnatürlich und ein wenig übertrieben, Bilder von Außenszenen erscheinen dadurch wie Studioaufnahmen vor gemalten Kulissen. Dennoch sind die „Sissi“-Sammelalben in dieser Form einzigartig und haben sich einen auch heute noch unwiderstehlichen Zauber erhalten. Sie sind einfach schön, bieten sie doch die Möglichkeit, die Filme beinahe Bild für Bild noch einmal nach zu erleben – und das lange vor der Erfindung des Videorekorders. Dabei sind die Bilder aus den Filmen vielfältiger als in jedem Filmprogramm oder in den Schaukästen der Kinos. Sowohl für die Filmfirma wie auch für den Verleger waren die Sammelbilder ein lohnendes Geschäft, gelang es ihnen doch mit diesem Werbemittel das Interesse an den Filmen lange wach zu halten und mitunter neue Kunden an sich zu binden. Für Filmhistoriker stellen sie heute sicherlich ein interessantes Mittel der Vermarktung dar und gelten ebenso wie die eigentlichen Filme, Filmplakate und Aushangfotos zu bedeutenden Quellen zur Kinogeschichte. Filmfans dürften sicherlich zumindest dem nostalgischen Charme der Alben erliegen. Für Fans und Sammler von Romy Schneider und Kaiserin Elisabeth-Devotionalien stellen diese drei Sammelalben einen absoluten Höhepunkt jeder Sammlung dar. Eine solche Anzahl an Szenenbildern aus den Filmen ist einzigartig und findet sich so in keiner anderen Publikation zum Thema „Sissi“ oder Romy Schneider. Entsprechend begehrt sind denn auch die Sammelalben, die mitunter auf ebay angeboten werden. Obwohl es immer mal wieder einzelne Bilder zu durchaus kleinen Preisen gibt, sind komplette Alben nur äußerst selten und wenn, dann nur zu entsprechend hohen Preisen zu bekommen, die sich etwa bei 50€ aufwärts bewegen.

 


Wie auch bei den Fotoromanen wurde auch bei den Sammelalben kräftig nachkoloiert

 

Weitere „Sissi“-Veröffentlichungen von Editorial Bruguera

Unter dem Titel „Sissi“ wurde von Editorial Bruguera des weiteren eine Comicreihe herausgegeben, die sich vor allem an Mädchen richtete. Das Logo der Comics ist dem Logoschriftzug der „Sissi“-Filme nachempfunden. Die Reihe begann als historische Serie, die im 19. Jahrhundert spielte, entwickelte sich aber im Laufe der Jahre zu einer eigenständigen Comicreihe mit weiblichen Heldinnen, die die verschiedensten Genres von Liebesgeschichte bis Krimi abdeckte. Neben den „Sissi“-Comics gab es noch eine „Sissi“-Serie für kleine Mädchen und eine, die sich an ein wenig älteres Publikum richtete und eher der deutschen „Bravo“ entsprach. Mit der österreichischen Kaiserin oder der „Sissi“ aus den Filmen haben die Comics jedoch nichts weiteres als den Namen gemeinsam.


Ein nicht jugendfreies "Sissi"-Souvenir: "Sissi"-Zigaretten
Ob man nach dem Genuss die Welt auch in Technicolor sieht, konnte die Verfasserin leider nicht ausfindig machen,

 

 

 

 


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