Sisi im Film

Outtakes
Kleine kaiserlich-königliche Kinokuriositäten

Ein Schauspieler, der in einem Film den Vater der Kaiserin darstellt, um dann knappe 20 Jahre später ihren Ehemann zu spielen? Ein Kronprinz, der nur 10 Jahre jünger als seine Mutter ist oder gar drei Jahre älter als sein Vater? Ein hoffnungsvoller Kavalier, dem es gleich zweimal nicht gelingt, seine Prinzessin vor den Altar zu führen? Ein Kaiser mit Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich? Hier sind sie alle versammelt!
Ebenfalls mit dabei: Schloss Schönbrunn als Double für die Residenz der bayerischen Könige, ein Stummfilm im wahrsten Sinne des Wortes, eine Kaiserin ganz ohne Kaiser, ein Film mit dem Wort „Sissi“ im Titel ohne Kaiserin, eine Sängerin aus Karthago im Sissi-Kleid, eine verhinderte Kaiserin, die über Leichen geht und viele weitere kleine Fakten unnützen Wissens.


Personalien
- Carla Nelsen, die allererste Elisabeth-Darstellerin, war bereits 1919 in dem Film „Kronprinz Rudolph oder: Das Geheimnis von Mayerling“ (verschollen) als Hofdame zu sehen.
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Gräfin Marie Larisch spielte sich im Film „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ (1921) selbst, obwohl sie damals bereits 63 Jahre alt war, zur eigentlichen Handlungszeit des Films aber gerade erst 30 Jahre zählte.
- Im Film „Das Schicksal derer von Habsburg“ von Ralf Raffé (1928, verschollen) spielt
Leni Riefenstahl die Rolle der Mary Vetsera.
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Grace Moore, die Darstellerin der Cissy in „The king steps out“ (1936) war eigentlich Opernsängerin und hatte unter anderem eine Radiosendung, in der sie klassische Musik einem breiteren Publikum näher brachte. Sie starb bei einem Flugzeugabsturz in der Nahe von Kopenhagen.
- Es gibt verschiedene Angaben über
Grace Moores Geburtsjahr. Eine lautet 1898, das Todesjahr der historischen Kaiserin.
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Franchot Tone, der Francis Joseph in „The king steps out“ (1936) war sieben Jahre jünger als Grace Moore, der historische Kaiser war sieben Jahre älter als die historische Kaiserin.
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Josef von Sternberg, der Regisseur von „The king steps out“ (1936) ist der Regisseur des Klassikers „Der blaue Engel“ (1930) mit Marlene Dietrich.
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Paul Hörbiger, der 1939 in „Prinzessin Sissy“ den Herzog Max in Bayern spielte, war 1955 im Film „Die Deutschmeister“ an der Seite von Romy Schneider (noch vor ihrem Erfolg in „Sissi“) als Kaiser Franz Joseph zu sehen.
- In „Prinzessin Sissy“ von 1939 ist
Rudolf Prack, der 1955 den Kronprinzen Rudolf in „Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“ spielte, in einer Nebenrolle als Prinz Luitpold zu sehen.
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Jean Marais, der 1949 den Kronprinzen Rudolf in „Le secret de Mayerling“ spielte, gab 1948 in der Filmadaption des gleichnamigen Theaterstücks „L'aigle à deux têtes“ den Anarchisten Stanislaus, der die namenlose Königin am Ende tötet. Obwohl der Ort und die Zeit der Handlung nie genannt werden, bezieht sich der Stoff des Stückes von Jean Cocteau eindeutig auf die Biographie Elisabeths.
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Jean Marais war der Lebenspartner von Jean Cocteau.
- In „Ludwig II.“ von 1954 ist
Klaus Kinski als Prinz Otto zu sehen. Otto wird im Verlauf des Films wahnsinnig. Ein Schelm, wer bei der Kombination „Kinski“ und „wahnsinniger Prinz“ nicht irgendwie grinsen muss.
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Marianne Koch, die Darstellerin der Prinzessin Sophie in „Ludwig II.“ (1954), spielte in „Königswalzer“ 1954 die weibliche Hauptrolle der bürgerlichen Konditorin Theres. Den Fernsehzuschauern ist die promovierte Medizinerin heute vor allem als Moderatorin von Gesundheitssendungen bekannt.
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Erik Frey war in seiner Filmkarriere insgesamt dreimal als Kaiser Franz Joseph besetzt: 1954 in „Ludwig II. - Glanz und Ende eines Königs“ und „Ewiger Walzer“, einem Film über die Strauss-Familie, sowie 1955 in „Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“. Des weiteren trat er auch noch in „Schicksalsjahre einer Kaiserin“ 1957 auf. Außerdem war er 1953 in „Kaiserwalzer“ als Graf Ferry zu sehen.
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Uta Franz, die Helene aus den „Sissi“-Filmen von Ernst Marischka, spielte die selbe Rolle im 1955er Remake von „Königswalzer“. Anders als in den „Sissi“-Filmen hat sie hier jedoch kein Problem damit, dass ihre Schwester ihr den Verlobten ausgespannt hat.
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Romy Schneider, Magda Schneider und Josef Meinrad waren 1955 in „Die Deutschmeister“ in einer ähnlichen Figurenkombination zu sehen wie in den „Sissi“-Filmen: Romy Schneider war die jugendliche Heldin, Magda Schneider spielte ihre Tante und Josef Meinrad gab einen etwas trotteligen, aber liebenswert-charmanten Hofbeamten.
- Ähnliches gilt für „Mädchenjahre einer Königin“ von 1954. Romy Schneider spielte die junge Königin Victoria von England, Magda Schneider ihre mütterliche Vertraute Baronin Lehzen.
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Peter Weck, der in den „Sissi“-Filmen den in Sissi verliebten Erzherzog Karl Ludwig spielte, war bereits als Heiratskandidat für Romy Schneider in dem Queen Victoria-Film „Mädchenjahre einer Königin“ (1954) besetzt worden. In beiden Fällen hat er Romy Schneider nicht vor den Altar führen können.
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Karlheinz Böhm, Darsteller des Kaisers Franz Joseph in den „Sissi“-Filmen, wettete 1981 in der Fernsehshow „Wetten, dass...?“, dass nicht einmal ein Drittel der Zuschauer eine deutsche Mark (einen schweizer Franken bzw. sieben österreichische Schilling) für die hungernden Menschen in der Sahelzone spenden würde. Er gewann zwar die Wette, da das Spendenziel nicht erreicht wurde, dennoch war diese Aktion der Startschuss für Karlheinz Böhms Wohltätigkeitsorganisation „Menschen für Menschen“, die bis heute den notleidenden Menschen in Äthiopien hilft.
- Karlheinz Böhm erhielt darüber hinaus für sein soziales Engagement die äthiopische Ehrenstaatsbürgerschaft und, neben vielen weiteren Auszeichnungen, das Bundesverdienstkreuz (Großes Verdienstkreuz mit Stern) der Bundesrepublik Deutschland sowie das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.
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Rudolf Prack war bei der Veröffentlichung des Films „Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“ (1955), in dem er die Titelrolle spielte, bereits 50 Jahre alt. Der historische Kronprinz Rudolf wurde nur 30 Jahre alt. Darüber hinaus war Prack auch noch drei Jahre älter als Erik Frey, der seinen Vater Kaiser Franz Joseph spielte.
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Christiane Hörbiger wird im Vorspann des Films „Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“ (1955) als Christiane Hörbiger-Wesseley aufgelistet.
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Walther Reyer, der in „Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“ (1955) als Erzherzog Johann zu sehen war, spielte 1956 und 1957 den Grafen Andrássy in „Sissi, die junge Kaiserin“ und „Schicksalsjahre einer Kaiserin“.
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Ava Gardner, die die Kaiserin in Terence Youngs „Mayerling“ (1968) spielte, war nur zehn Jahre älter als ihr Filmsohn Omar Sharif.
- Im Film „Ein dreifach Hoch dem Sanitätsgefreiten Neumann“ (1969) (auch bekannt unter „Grapsch und Gloria“), einem Erotikfilm aus der Zeit der K.u.K.-Monarchie von
Franz Marischka, spielte Rudolf Prack die Rolle eines Erzherzog Rudolf.
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Franz Marischka war der Neffe von „Sissi“-Regisseur Ernst Marischka und wurde vor allem durch die in den späten 1960er und 1970er Jahren en Masse gedrehten deutschen Erotikfilmchen wie etwa die „Lass jucken, Kumpel“-Reihe bekannt.
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Romy Schneider war erst bereit, die Rolle der Kaiserin in „Ludwig II.“ (1972) zu spielen, nachdem Regisseur Luchino Visconti persönlich sie darum gebeten hatte.
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Luchino Visconti war von 1964-1976 mit Ludwig-Darsteller Helmut Berger zusammen.
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Daniela Ziegler, die in der 1982 gedrehten Dokumentation „Elisabeth von Österreich – Bekenntnisse einer Kaiserin wider Willen“ die Kaiserin spielte, war 2000 in dem Fernsehfilm „Sophie, Sissis kleine Schwester“ als Herzogin Ludowika zu sehen.
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Christoph Böll, der Regisseur des Films „Sisi und der Kaiserkuß“ von 1991, ist der Neffe von Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll.
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Marion Mitterhammer, die in der 1995 geplanten, jedoch nie verwirklichten Sisi-Serie die Titelrolle übernehmen sollte, spielte 1999 in der Krimiserie „Kommissar Rex“ in der Folge „Sisi“ eine Mörderin mit Sisi-Tick.
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Friedrich von Thun moderierte 1992 die Doku-Serie „Die Habsburger. Eine europäische Familiengeschichte“. 2009 spielte er den Feldmarschall Radetzky in „Sisi“.
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Max von Thun, sein Sohn, spielte 2006 die Titelrolle in „Kronprinz Rudolf. Sissis einziger Sohn“.
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Fritz Karl, der 2006 in „Kronprinz Rudolf. Sissis einziger Sohn“ den Erzherzog Johann spielte, war 2009 als Graf Andrássy in „Sisi“ zu sehen und spielte in „Sophie, Sissis kleine Schwester“ 2000 die Rolle des Ferdinand.


Schon gewusst...?
- Die Partitur des Films „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ (1921) ist verschollen, so dass der Film nur noch als Stummfilm im wahrsten Sinne des Wortes, also vollkommen ohne akustische Begleitung, gezeigt werden kann.
- Den Film „Königswalzer“ gibt es in insgesamt drei unterschiedlichen Versionen: 1935 wurden gleich zwei Fassungen des Stoffes verfilmt, eine deutsche mit Paul Hörbiger als König Max II von Bayern und Carola Höhn als Sissi und eine französische mit Adrien Le Gallo und Alla Donnell in den selben Rollen. Zwanzig Jahre später gab es dann ein Remake mit Hans Fitz und Linda Geiser als König und Prinzessin.
- „Prinzessin Sissy“ ist neben „Königswalzer“ der einzige Film über das Leben der Kaiserin, der zur Zeit des Nationalsozialismus im damaligen „Dritten Reich“ gedreht wurde.
- Der Darsteller des kleinen Mohrenjungen Mustafa in „Prinzessin Sissy“ wird weder im Filmprogramm noch im Vorspann zum Film genannt.
- „Prinzessin Sissy“ spielt zwar in München und Possenhofen, wurde aber in Wien und Umgebung gedreht. So „doubelte“ Schloss Schönbrunn in diesem Film für die Münchner Residenz und Laxenburg diente als Ersatz für Schloss Possenhofen. Alle vier Schlösser haben einen engen Bezug zur Biographie der Kaiserin.
- Obwohl der Film „The king steps out“ auf einer österreichischen Operette basiert und von einem gebürtigen Österreicher verfilmt wurde, war der Film nie im deutschsprachigen Raum im Kino oder Fernsehen zu sehen.
- Der Name der „Sissy“ aus der gleichnamigen Operette, auf der „The king steps out“ basiert, wurde für den Film in Cissy umgeändert. In einer englischen Partitur aus den 1960er Jahren der Operette taucht die Rolle als „Lisa“ wieder auf. Möglicherweise wurde der Name geändert, da das englische Wort „sissy“ soviel bedeutet wie „Schwuchtel“ oder „Weichei“.
- Während in der Operette beinahe alle Charaktere singen, übernahm in der Verfilmung
Grace Moore einen Großteil der Gesangsnummern.
- Handlungsort von „The king steps out“ ist nicht Bad Ischl, sondern das fiktive Hellbrunn.
- Im ungarischen Film „Erzsébet királyne“ taucht Kaiser Franz Joseph kein einziges Mal auf.
- In allen Filmen, die das gesamte Leben der Kaiserin bis zu ihrem Tod behandeln, wird die Anzahl ihrer Kinder falsch angegeben. Der Tod der kleinen Erzherzogin Sophie kommt lediglich in „Fall of eagles: Death waltz“ von 1974 vor, in anderen Verfilmungen wird nicht darauf eingegangen. Auch die Anzahl der überlebenden Töchter ist nie korrekt: wenn überhaupt, so taucht nur Marie Valerie als einziges anderes Kind der Kaiserin neben Kronprinz Rudolf auf. Erzherzogin Gisela tritt nur einmal als ganz kleines Mädchen in „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ von 1921 auf.
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