Sisi im Film

Filme vor 1945

Der erste Weltkrieg war zwei Jahre vorbei, die Donaumonarchie ebenso lange Geschichte und Kaiser Franz Joseph gerade einmal seit vier Jahren tot, als Kaiserin Elisabeth 1920 ihren ersten Leinwandauftritt hatte. In „Das Schweigen am Starnbergersee“ war sie neben dem bereits 1886 verstorbenen Bayernkönig Ludwig II. zu sehen, ein Jahr später erhielt sie dann in „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ ihre erste eigene Hauptrolle.
Woran mag es wohl liegen, dass bereits so kurz nach dem Untergang der Donaumonarchie ein Film über die Kaiserin in die Lichtspieltheater, wie man damals die Kinos nannte, kam?

Ludwig II. war bereits kurz nach seinem Tod zum „Märchenkönig“ geworden. Wenige Monate nach seinem mysteriösen und bis heute nicht aufgeklärten Tod im Starnberger See waren seine legendären Königsschlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden und avancierten rasch zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Bayerns. Filme, die das Leben des „Kini“ behandelten, trugen da ihren ganz eigenen Teil zum Kult um den Bayernkönig bei – der bis heute ungebrochen ist.
Ludwig II. war zum Zeitpunkt von „Das Schweigen am Starnbergersee“ bereits seit über dreißig Jahren tot, insofern fiel selbst 1920 ein Film über ihn schon eher in die Kategorie „Historienfilm“ und erlaubte somit auch Spekulationen, Romantisierungen und das Flair jener „guten, alten Zeit“ (die es so nie gegeben hat), das auch heute noch dieses Filmgenre in vielerlei Hinsicht ausmacht. Für das Kinopublikum jener Zeit war der historische König schon zu weit entrückt, nur die älteren Zuschauer mögen sich vielleicht noch an die Regierungszeit des Bayernkönigs erinnert haben. Ebenso wie man auch heute der Ansicht sein mag, dass früher alles besser war, so mögen auch viele Zuschauer seinerzeit ihre Erinnerungen an jene Zeit eher romantisierend verklärt haben.

Ähnlich verhält es sich auch mit den ersten Filmbiographien über Kaiserin Elisabeth. Zwar war die Donaumonarchie erst seit wenigen Jahren Geschichte, Elisabeth jedoch war zu diesem Zeitpunkt bereits über 20 Jahren tot. Ähnlich wie König Ludwig II. hatte auch sie bereits zu Lebzeiten ihren eigenen Mythos kultiviert, der auch in vielen Biographien, von denen die ersten bereits wenige Monate nach ihrem Tod erschienen, fortgeschrieben wurde.

In diesen frühen Biographien wurde das Leben der Kaiserin sehr romantisierend dargestellt. Die erste Biographie über Elisabeth, die sich auf verwertbare historische Quellen beruft und auch heute noch zur Standardliteratur gehört, die auch nach wie vor in vielen Büchern zitiert wird, wurde erst 1934 von Egon Caesar Conte Corti veröffentlicht. Cortis Biographie beruht zu einem großen Teil auf dem schriftlichen Nachlass der Kaiserin, den Tagebuchaufzeichnungen ihrer Tochter Marie Valerie, sowie weiterem Quellenmaterial aus Staatsarchiven, aber auch den privaten Hofarchiven der Habsburger und Wittelsbacher. Im Gegensatz dazu sind viele der zuvor erschienenen Biographien nur romantische, mitunter sogar sensationslüsterne Werke, die man heute eher als „historische Romane“ einstufen würde.
In diesen frühen Biographien vor Cortis Standardwerk wird Elisabeth nicht nur historisierend-kitschig verklärt, sondern auch in der Regel vollkommen unpolitisch dargestellt. Diese Tatsache erlaubte es auch den Filmemachern, Filme über eine historische Person und ihre Zeit zu drehen und dabei weitestgehend unpolitisch zu bleiben.

In den Filmen „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ (1921) und „Elisabeth von Österreich“ (1931) finden sich keinerlei Informationen über den historisch-politischen Hintergrund, vor dem sie spielen. Hinweise auf z.B. die Revolution von 1848, die Schlacht bei Königgrätz oder den Ausgleich von 1867 sucht man vergebens. Auch die Krönung zur Königin von Ungarn wird in keinem dieser Filme gezeigt, was schon etwas verwunderlich ist, hätte eine solche Szene doch das Potential gehabt, die Filmheldin als strahlend-schöne Landesmutter ihrer geliebten ungarischen Nation zu präsentieren.
Beide Filme zeigen lediglich die private Seite der Kaiserin: in „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ (1921) wendet sich die Handlung den Liebesirrungen – und wirrungen im Umfeld Elisabeths auf Schloss Gödöllö zu, in „Elisabeth von Österreich“ (1931) begibt die Kaiserin sich nach der Geburt des Thronfolgers dreißig Jahre lang (!!!) auf Reisen, um dann erst wieder zur Mayerling-Tragödie nach Wien zurückzukehren. Immerhin zeigt zumindest „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ (1921) eine kurze Sequenz, in der die Kaiserin das aufgebrachte ungarische Volk beruhigt und mit ihrer Anmut verzaubert, warum die Ungarn jedoch aufgebracht sind, wird in dem Film nicht weiter erklärt und spielt auch im weiteren Verlauf der Handlung keine Rolle mehr.
Eine politische Kaiserin gab es erst 1940 im ungarischen Film „Erzsébet királyné“ auf der Leinwand zu sehen. In diesem Film ist Elisabeth ganz und gar ungarische Patriotin – Kaiser Franz Joseph taucht interessanterweise kein einziges Mal auf. Der Film zeigt eine junge Kaiserin, die unter dem Einfluss ihrer Hofdame Ida
Latkóczy – eine Anspielung auf Elisabeths Hofdame Ida Ferenczy – immer mehr zur Stimme der Ungarn wird und als solche im von Streicherrmusik untermalten Finale ihrem ungarischen Volk verspricht, sich beim Kaiser für seine Belange und einen Ausgleich mit Österreich einzusetzen. Auch dieser Film ist vor dem historischen Hintergrund, vor dem er gedreht wurde, zu betrachten. Ab 1933 hatte die ungarische Regierung sich immer mehr dem nationalsozialistischen Deutschland angenähert, „Erzsébet királyné“ kann somit auch als Propagandafilm betrachtet werden.
Ganz anders verhält es sich mit Filmen aus dem deutschsprachigen Raum, die zwischen 1933-1945, also zur Zeit des Nationalsozialismus, gedreht wurden. „Königswalzer“ und „Prinzessin Sissy“ sind harmlose Komödien, die jeder politischen Stellungnahme entbehren. Im Vergleich zum Preußenkönig Friedrich II, über den in dieser Zeit mehrere Filme gedreht wurden, konnte die österreichische Kaiserin nur schwerlich die „deutschen Tugenden“ wie Vaterlandsliebe, Fleiß und Disziplin präsentieren, auch als Vorbild für die „deutsche Mutter“ konnte sie nicht dienen, hatte sie doch in der Erziehung ihrer Kinder eine negative Rolle inne. Im Gegensatz zum ungarischen Film „Erzsébet királyné“, der ein eindeutiges politisch-patriotisches Programm verfolgt, ist die Kaiserin in den beiden einzigen deutschsprachigen Produktionen jener Zeit ebenso lieblich-süß und unpolitisch wie in den K.u.K.-Filmen der Nachkriegszeit nach 1945.

Zusammenfassend lässt sich über die Filme vor 1945 festhalten, dass sie die Kaiserin bereits so präsentieren, wie sie auch in den folgenden Jahren immer wieder dargestellt wurde: entweder als romantische Märchenprinzessin in den Komödien, als desillusionierte bis desinteressierte Kaiserin in den Mayerling-Filmen oder als Seelengefährtin des bayerischen Märchenkönigs.
Interessanterweise jedoch verzichten vor allem die beiden großen Biographien auf die kitschig-romantische Liebesgeschichte zwischen der jungen bayerischen Märchenprinzessin und dem feschen österreichischen Kaiser, die in den folgenden Jahren und vor allem in den Filmen der Nach-“Sissi“-Ära so breitgetreten wurde. Die Handlung bei „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ (1921) setzt unmittelbar nach der Hochzeit an, „Elisabeth von Österreich“ (1931) präsentiert gleich eine verheiratete Kaiserin und verzichtet sogar auf eine Hochzeitsszene.

Im Folgenden finden sich nun die einzelnen Filme detailliert besprochen. Nicht alle Filme, die zwischen 1920-1945 gedreht wurden, sind auch bislang offiziell veröffentlicht worden, viele dürften mittlerweile auch verschollen sein. Da kleine Wunder hier jedoch immer mal wieder möglich sind, werde ich diesen Bereich regelmäßig aktualisieren, sobald neues Filmmaterial den Weg in meine Sammlung gefunden hat.

Das Schweigen am Starnbergersee (1920)
Der bislang älteste noch erhaltene Film über Ludwig II, in dem auch Sisi ihr Leinwanddebüt gibt

Wie der Titel schon vermuten lässt, haben wir es bei Elisabeths erstem noch erhaltenen Leinwandauftritt weniger mit einer Biographie über die Kaiserin selber sondern über ihren königlichen Vetter Ludwig II von Bayern zu tun.
Bereits in den 1910er Jahren wurden erste Spielfilme über den Bayernkönig gedreht, „Das Schweigen am Starnbergersee“ ist jedoch der älteste, der noch erhalten ist. 2009 wurde er vom Filmmuseum München gemeinsam mit zwei weiteren Ludwig II-Filmen auf DVD veröffentlicht. Die DVD lohnt den etwas teureren Anschaffungspreis nicht nur wegen des historischen Werts der Filme (für alle ernsthaften Sammler sicherlich ein Muss), sondern auch wegen des  sehr informativen Bookletts und der –angesichts des Alters- wirklich hervorragenden Bild- und Tonqualität. Die Stummfilme, neben „Das Schweigen am Starnbergersee“ ist auch noch der Film „Ludwig der Zweite“ von 1930 enthalten, verfügen über eine recht angenehme Klavierpartitur, die sich durchaus hören lassen kann. Zudem sind als Bonusmaterial noch Aushangfotos zu allen Filmen enthalten.
Im Booklett wird die Entstehungsgeschichte von „Das Schweigen am Starnbergersee“ genauer beleuchtet und diese ist durchaus interessant. So hatte bereits hier, ebenso wie beim ein Jahr später gedrehten „Kaiserin Elisabeth von Österreich“, die Gräfin Larisch ihre Finger im Spiel. Bei beiden Filmen führte Ralf Raffé Regie und besetzte seine Frau Carla Nelsen als Elisabeth. Die Rolle des Königs wurde hier, wie auch im Film „Ludwig II“ aus dem Jahr 2012, von zwei unterschiedlichen Schauspielern verkörpert: der junge König wird von Martin Wilhelm dargestellt, der jedoch bereits ziemlich bald von Ferdinand Bonn abgelöst wird.


Die Kaiserin vor Schloss Herrenchiemsee - vermutlich wurde hier ohne Genehmigung gedreht

Der Inhalt ist schnell erzählt, da dem Film leider vor allem in der ersten Hälfte ein dramaturgischer roter Faden fehlt und die Handlung quasi im Zeitraffer sich nur auf einige Episoden aus dem Leben Ludwigs II beschränkt.
Richard Wagner liest in der Zeitung von der Krönung des neuen jungen Bayernkönigs, doch ihm selber ist alles andere als feierlich zumute: soeben klopft der Gerichtsvollzieher bei ihm an und pfändet ihm sein ganzes Hab und Gut weg. Doch Hilfe naht, denn der frisch gekrönte König lädt ihn zu sich in die Residenz ein, wo bald schon eine innige Freundschaft zwischen den beiden Männern erwächst. Auf einem Musemsball lernt Ludwig II seine Cousine Sophie in Bayern kennen. Er verliebt sich auf den ersten Blick in das ungestüme „Naturkind“ und verlobt sich mit ihr. Doch Sophie ist kindisch, spielt noch mit Puppen und flirtet zudem ungehemmt mit einem Maler, dem sie eigentlich Modell sitzen sollte. Als sie sich jedoch eines Besseren besinnt und den Maler endgültig zurückweisen will, um dem König eine gute Braut zu sein, kommt dieser dazwischen und missinterpretiert die Szene. Im Glauben, Sophie ginge im fremd, löst er die Verbindung und gibt sich nun gebrochenen Herzens nur noch der Kunst und seiner Freundschaft zu Richard Wagner hin. Sowohl der Ministerrat wie auch das Volk sieht die Beziehung zu Wagner kritisch und so muss der Komponist München und den König verlassen. Ludwig zieht sich nun immer mehr von der Öffentlichkeit zurück und kümmert sich nur noch um den Bau seiner Königsschlösser.


Elisabeth will Ludwig aus seiner Isolation befreien: "Auch ich bin eine Einsame!"

Seine Cousine Elisabeth versucht zwar, ihn aus seiner selbstgewählten Isolation heraus zu holen, doch Ludwig verschanzt sich immer mehr. Inzwischen geht dem Staat das Geld aus und die immer seltsamer werdenden Extravaganzen des Königs verwundern nicht nur das Volk, sondern erzürnen auch immer mehr die Minister des Königs. Sie lassen sich von Bediensteten über die Eigenschaften und Absonderlichkeiten Ludwigs berichten. Der Diener Hesselschwerdt schließlich berichtet Ungeheuerliches: der König sei verrückt geworden, wähne sich in der Anwesenheit des legendären Sonnenkönigs Ludwig XIV, sehe Schreckensbilder und habe immer wieder Visionen der Kaiserin Elisabeth. Diese Aussage (warum Hesselschwerdt den König überhaupt verrät, wird nicht geklärt) genügt dem Ministerrat, um sich auf den Weg nach Neuschwanstein zu machen, um Ludwig gefangen nehmen zu lassen und nach Schloss Berg bringen zu wollen. Doch ein erster Versuch schlägt fehl, da die Bauern der Umgebung von diesen Plan erfahren und dem König zur Hilfe eilen. Erst im zweiten Anlauf gelingt es Hesselschwerdt, die Gegner des Königs ins Schloss Neuschwanstein zu bringen, damit Ludwig festgenommen wird.
In Schloss Berg angekommen, schreibt der König einen Brief an Elisabeth. Er weiß, dass sie ganz in der Nähe in Schloss Possenhofen ist und hofft, dass sie ihm zu Hilfe kommen kann. Doch der Brief wird abgefangen.
Nach einem Ohnmachtsanfall verlangt Ludwig nach frischer Luft und will einen Ausflug ans Seeufer unternehmen. Währenddessen erscheint zwei Soldaten an der Münchner Residenz die Weiße Frau – ein eindeutiges Todesomen für die Wittelsbacher. Am Starnberger See gelingt es Ludwig, den ihn bei seinem Spaziergang begleitenden Doktor von Gudden davon zu überzeugen, dass der ihnen folgende Wächter nicht notwendig sei. Er schafft es ebenfalls, den Arzt kurz abzulenken, um so schnell ans Seeufer zu laufen. Von Gudden folgt ihm jedoch ins Wasser. Zwischen den beiden Männern kommt es zum Kampf, den Ludwig zwar für sich gewinnen kann, doch dann verlassen ihn die Kräfte und er ertrinkt im See.
Eli
sabeth bringt ihm einen Strauß Jasmin an den Sarg und bricht kurz darauf weinend zusammen.


Elisabeth legt Ludwig einen Strauß Jasminblüten in den Sarg

Wirklich interessant wird der Film leider erst in der letzten halben Stunde, die ersten 60 Minuten lang werden nur, wie bereits oben erwähnt, zusammenhangslose Episoden aus dem Leben Ludwigs erzählt. Dabei kratzt der Film niemals am damals schon existierenden Mythos des Märchenkönigs: kein Wort zu seiner Homosexualität (wobei die 1920er da sicherlich einiges lockerer waren als z.B. die 1950er), kein Wort darüber, dass es eigentlich seine Schuld war, dass die Verlobung mit Sophie gelöst wurde, nichtmals ein böses Wort über Richard Wagner, der hier der eigentliche Seelenvertraute Ludwigs ist.
Schauspielerisch muss man bei Stummfilmen einfach andere Maßstäbe anlegen als bei Tonfilmen. Die vielen, heute übertrieben wirkenden Gesten und Mimiken waren damals durchaus üblich und finden sich in jedem Stummfilm. Auffallend ist jedoch, dass Carla Nelsen als Elisabeth mitunter durchaus genervt in die Kamera zu gucken scheint.
Für die Beerdigungsszene am Beginn des Filmes, die die Beisetzung von Ludwigs Vater Maximilian II darstellen soll, wurde übrigens historisches Filmmaterial von der Beerdigung von Ludwigs Nachfolger Prinzregent Luitpold aus dem Jahr 1912 verwendet. Gedreht wurde nicht an Originalschauplätzen – von den Schlössern Linderhof und Neuschwanstein werden lediglich Postkartenmotive als „Innenaufnahmen“ präsentiert. Lediglich Schloss Herrenchiemsee diente als echte Kulisse – vermutlich illegalerweise, da eine Drehgenehmigung nicht oder nur schwer zu bekommen war.
Im Film gibt es eine Szene, in der Elisabeth Ludwig in Herrenchiemsee besucht und sich –ähnlich wie in Viscontis „Ludwig II“ (1972)- im Spiegelsaal wiederfindet. Das Booklett zur DVD berichtet, dass diese Szenen vermutlich in großer Hast gedreht worden seien und erklärt dies mit der Unschärfe der Bilder.
Fazit: Obwohl der Film auf jeden Kitsch verzichtet, ist er leider eine reine Abhandlung von Episoden und gewinnt erst in der zweiten Hälfte an Substanz. Oh, und er präsentiert eine Elisabeth in für damalige Zeiten sicherlich schockierend kurzen Röcken. (gerade mal knapp überm Knöchel –shocking!)


Kaiserin Elisabeth von Österreich (1921)
Eintrittskarte zur Wiederaufführung 2011 in Berlin

Kaiserin Elisabeth von Österreich“ des Regisseurs Rolf Raffé ist der erste Film, der sich mit der Biographie der Kaiserin auseinandersetzt. Bereits 1920 hatte Raffé das Leben König Ludwigs II von Bayern in „Das Schweigen am Starnbergersee“ filmisch verarbeitet, in dem die Kaiserin ihren allerersten Auftritt als Filmfigur hatte.
Über Rolf Raffé habe ich leider nicht viel herausbekommen. Geboren wurde er 1895 in München, wo er 1978 auch starb. Er fungierte bei den insgesamt 5 Filmen, die er zwischen 1920 („Das Schweigen am Starnbergersee“) und 1953 („Lachkabinett“) drehte, sowohl als Drehbuchautor wie auch als Produzent und Regisseur. Interessant ist sicherlich seine Vorliebe für royale Themen. So behandeln 3 seiner Filme kaiserlich-königliche Themen, neben dem bereits erwähnten Ludwig II.-Film und „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ auch noch „Das Schicksal derer von Habsburg“ aus dem Jahr 1928, in dem die Kaiserin ebenfalls auftaucht.
Kaiserin Elisabeth von Österreich“ ist nicht nur interessant aufgrund der Tatsache, dass es sich hierbei um den ersten Sisi-Film handelt, sondern auch aufgrund seiner Geschichte. Niemand anderer als die berüchtigte Gräfin Marie Larisch, die einstige Lieblingsnichte der echten Kaiserin, die aufgrund ihrer Rolle in der Mayerling-Affäre bei Hofe in Ungnaden gefallen war, verfasste gemeinsam mit Raffé das Drehbuch und spielte sich darüber hinaus auch noch selbst. Ebenso unterstützte sie Raffé bei der Regie, indem sie der Schauspielerin Carla Nelsen, die die Kaiserin bereits in „Das Schweigen am Starnbergersee“ dargestellt hatte, beibrachte, die Gestik und Mimik der Kaiserin möglichst originalgetreu zu imitieren. Erzherzogin Marie Valerie, die Lieblingstochter der Kaiserin, soll nach einer Vorstellung des Films in Tränen ausgebrochen sein, da Nelsen die Kaiserin so authentisch verkörperte.
Trotz dieser überwältigenden Reaktion der Erzherzogin galt der Film viele Jahre als verschollen. In viele Biographien über die Kaiserin schlich sich sogar ein Szenenfoto, das die Kaiserin auf ihrem Totenbett, wie sie von ihrer Hofdame betrauert wird zeigt, als vermeintlicher historischer Schnappschuss, der die echte Kaiserin zeigen sollte, ein. Mitte der 1990er Jahre wurde „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ dann von einem Team des ORF, das eine Dokumentation über die Kaiserin plante („Elisabeth – Die rätselhafte Kaiserin“) im Filmarchiv Amsterdam wiederentdeckt. Infolge dessen wurde der Film dann restauriert und digitalisiert.
Eine Veröffentlichung auf DVD ist derzeit nicht geplant, da es wohl noch Uneinigkeit bezüglich der Rechte gibt. („Das Schweigen am Starnbergersee“ ist hingegen auf DVD erhältlich.) Und bevor hier jemand fragt:
Nein, ich habe diesen Film auch nicht in irgendeiner Form in meiner Sammlung und nein, ich kann ihn auch nicht besorgen!!!

2011 fand in Schloss Britz in Berlin eine Elisabeth-Ausstellung unter dem Titel „Sisi. Kaiserin Elisabeth von Österreich – Mythos und Wahrheit“ statt, die ein großes Filmrahmenprogramm präsentierte. Neben den drei Marischka-Filmen und den Ludwig-Verfilmungen von Käutner und Visconti gab es auch einen Filmabend der besonderen Art: „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ wurde nach sicherlich über 80 Jahren wieder gezeigt. Für mich Grund genug, für einige Tage in die Hauptstadt zu fahren, da sich eine derartige Gelegenheit sicherlich nicht so schnell wieder bieten dürfte.


Plakat zur Sisi-Ausstellung in Berlin

Die Ausstellung war interessant gemacht und auch wenn sie recht klein und überschaubar war, bot sie doch einige tolle Stücke, wie z.B. das originale Poetische Tagebuch der Kaiserin oder nach historischen Originalrezepten hergestellte Cremes und Seifen, wie die Kaiserin sie benutzt hat. (Keine Fotos, da Fotoverbot.)
Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch gab es dann in einem der historischen Räume von Schloss Britz die Filmvorführung. „Kaiserin Elisabeth von Österreich“ ist ein Stummfilm und wurde auch wirklich als solcher, nämlich vollkommen ohne Ton, gezeigt. Die Originalpartitur zum Film ist nämlich (bis jetzt) wirklich verschollen, so dass keine Musikbegleitung gespielt werden konnte. Für mich ganz praktisch an jenem Abend, da ich so jede Szene mitschreiben konnte, ohne von Musik, Gesprächsfetzen oder anderen Geräuschen irritiert zu werden. Der Film wurde mit niederländischen Zwischentiteln gezeigt, die seitens der Ausstellungskuratoren ins Deutsche übersetzt worden waren.

Im Folgenden nun eine genaue Beschreibung jeder Szene – wenn es den Film schon nicht käuflich zu erwerben gibt, dann soll zumindest jeder wissen, worum es geht!

1.Akt:
Franz Joseph und Elisabeth schreiten zum Altar und die Hochzeitszeremonie findet statt. Währenddessen erhält die polnische Fürstin Garzewska, die nicht zur Trauung erschienen ist, Besuch von Adjutanten des Kaisers, Graf Hunyady, der sie fragt, warum sie nicht gekommen ist. Die Fürstin macht deutlich, dass sie eifersüchtig auf die neue Kaiserin ist, zudem hält sie nicht viel von Elisabeth: „Die bayerische Lise stinkt nach Stall und Wiese!“
Elisabeth zieht in die Hofburg ein und wird von ihrem Hofstaat für die Hochzeitsnacht vorbereitet. Erzherzogin Sophie kommt hinzu und segnet ihre neue Schwiegertochter. Später kommt der Kaiser und nimmt Elisabeth in die Arme. Beide erinnern sich in einem Flashback an ihr erstes Zusammentreffen auf Schloss Possenhofen: Franz Joseph, der eigentlich Elisabeths Schwester Christine heiraten soll, sieht Sisi zum ersten Mal, wie sie über eine Wiese läuft und folgt ihr. Er macht Elisabeth einen Antrag, den diese erst nach einigem Zögern annimmt.
Während das frischgebackene Ehepaar seinen Erinnerungen nachhängt, gesteht Erzherzogin Sophie dem ebenfalls anwesenden Kardinal, dass sie lieber Christine zur Schwiegertochter bekommen hätte.
Die Fürstin Garzewska will von Hunyady wissen, wie es dem Kaiser geht. Dieser berichtet, der Kaiser wäre verliebt wie ein Schuljunge.
Im Schlosspark spielt Sisi ohne Handschuhe mit einem Hund, was die Erzherzogin entsetzt auch sogleich tadelt. Sisi begrüßt stürmisch den Kaiser und kann so der unangenehmen Situation entkommen.
Auf einem Hofball ist auch die Fürstin Garzewska anwesend. Sisi trägt ihr Sternenkleid, doch der Kaiser lässt sich auf die Flirtereien der Fürstin ein und geht zu ihr. Sisi geht mit Hunyady in den Garten, um sich zu beruhigen, erwischt dort jedoch den Kaiser flirtenderweise mit der Fürstin. Daraufhin verlässt Sisi fluchtartig den Ball. Der Kaiser folgt ihr, obwohl die Erzherzogin vor einem Skandal warnt. Franz Joseph geht zur weinenden Sisi, tröstet sie und versichert ihr, dass er nur sie liebe.


Sisi entdeckt den flirtenden Kaiser

2.Akt:
Sophie hat Probleme mit Elisabeth, weil sie gegen jegliche Etikette und Prunksucht am Hofe ist und sich nur um ihre Kinder Rudolf und Gisela kümmert. Sisi besucht ihre Kinder, um mit ihnen zu spielen. Sophie wirft Sisi vor, ihre Kinder zu Bauernkindern zu erziehen. Die Kaiserin unternimmt eine Kutschfahrt und wird dabei in ihrem Gefährt von der Kutsche der Fürstin Garzewska überholt – ein gewaltiger Affront der Fürstin gegenüber der Kaiserin.

Die Kutschfahrt der Kaiserin führt sie in ein Armenhaus, doch bemerkt sie beim Aussteigen, dass die Kutsche des Kaisers ganz in der Nähe geparkt ist – nämlich in der Nähe der Kutsche der Fürstin! Sisi will sofort in die Hofburg zurück, notfalls zu Fuß! Der Kardinal sieht Sisi von seiner Kutsche aus zu Fuß die Straße entlang laufen und berichtet in der Hofburg sofort der Erzherzogin davon. Als die eh schon in Tränen aufgelöste Sisi in der Hofburg ankommt, macht Sophie ihr eine Szene, weil sie im Armenviertel herumgelaufen sei.
Währenddessen ist der Kaiser bei der Fürstin, um mit ihr im Guten Schluss zu machen. Die Fürstin ist entsetzt, ihr bleibt aber nichts anderes übrig, als den Beschluss des Kaisers zu akzeptieren. Der Kaiser gesteht später in der Hofburg Hunyady, dass Liebe seltsam sei und er sich selber nicht mehr richtig kenne.
Monate später stellt Sophie fest, dass Sisi erkrankt sein soll. Sisi spielt mit dem kleinen Erzherzog Johann im Park und erinnert sich traurig an ihre Familie daheim. Der Kardinal kommt hinzu und will wissen, ob Sisi Trost in den religiösen Schriften gefunden habe, die er ihr gegeben habe. Sisi verneint, da sie andere Ansichten habe. Der Kardinal ist fassungslos, als die Kaiserin ihn einfach stehenlässt. Im Park trifft Elisabeth auf Graf Hunyady und wird dabei vom Kardinal beobachtet. Sisi möchte Hunyady zu ihrem Reiseadjutanten machen und lädt ihn auf einen Plausch am nächsten Tag ein. Der Kardinal berichtet der Erzherzogin von dem vertraulichen Gespräch „in einem abgelegenen Teil des Parks“. Sophie gibt ihren Verdacht, der Graf würde der Kaiserin Avancen machen, sofort an den Kaiser weiter. Am nächsten Tag erwischt Sophie Hunyady vor der Kammer der Kaiserin – Hunyady wird aus dem Hofstaat entfernt.
In der Hofburg findet ein Maskenball statt. Sisi beschließt, mit ihrer Hofdame inkognito hinzugehen. Die Hofdame besorgt zwei Dominos und Masken, mit denen die beiden Damen schließlich unerkannt auf die Party gelangen. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt und Sisi will sich mit Hofrat von Merkert amüsieren. Von Merkert jedoch geht richtig ran, da er die Kaiserin gar nicht erkennt. Nach einigen Gläsern Champagner wird Sisi jedoch von ihrer Hofdame „gerettet“.


Hofrat von Merkert macht sich an die Kaiserin ran

3.Akt:
Während das Kaiserpaar in Ungarn ist, bricht ein Aufstand los. Der Kaiser behauptet, in Ungarn wäre immer irgendein Aufstand. Elisabeth hält dagegen, der Kaiser habe zu viele Freiheitskämpfer hinrichten lassen. Da selbst die Anwesenheit des Kaisers den Umsturz nun nicht mehr aufhalten kann, soll das Kaiserpaar das Schloss über einen Seitenausgang verlassen. Sisi will jedoch zum Volk sprechen und es besänftigen. Durch ihren Auftritt gelingt ihr das auch. Sie lässt sich zu den Verwundeten des Aufstands führen. Ein verletzter Musikant bringt Sisi im Lazarett ein Ständchen – die Kaiserin verspricht ihm ein Engagement in ihrer Hofkapelle, sobald er wieder genesen ist.

Am folgenden Tag geht Sisi in Ungarn auf die Jagd und reitet allen davon. Sie lädt den Grafen Esterházy zum Diner ein. Feher -der Musikant aus dem Lazarett- spielt tatsächlich in der Hofkapelle auf. Sisi amüsiert sich königlich und bittet Esterházy, ihr noch länger Gesellschaft zu leisten. Währenddessen sucht Feher seine Geige und beobachtet Sisi und Esterházy beim Tête-à-tête – ihm bricht das Herz!
In Wien erzählt der junge Erzherzog Johann seinem jüngeren Cousin Rudolf von einem Geheimbund, dem auch Fürsten angehören.
Elisabeth, von der Liebe verbittert, berichtet Esterházy von ihrem Cousin König Ludwig II. von Bayern. In einem kurzen Flashback werden Ludwig II und Sisi in den Bergen gezeigt, Sisi dabei in bayerischer Tracht. Esterházy missversteht Elisabeths Melancholie und gesteht ihr seine Liebe, doch sie weist ihn ab und bricht auch ihm das Herz.

4.Akt:
Sisi versteht nicht, was der Kaiser gegen ihre Reisen nach England hat und verbringt die Jagdsaison in England. Nach einer Jagd unterhält sie sich mit dem englischen Kronprinzen, wendet sich dann aber ihrem Reitpiloten MacShane zu.
Die Kaiserin kehrt nach Gödöllö zurück, wo sie in ihrem Privatzirkus auftritt und Pferde an der Longe führt. Esterházy gefällt es nicht, wie gut Elisabeth sich mit MacShane versteht. Er beobachtet Sisi, als MacShane ihre Hand streichelt und diese schließlich küsst. Als er dazwischen geht, geraten Sisi und MacShane in Erklärungsnot. Der Musikant Feher macht mit seiner Freundin Schluss. Sisi tröstet das Mädchen, obwohl sie unwissentlich der Grund für die Trennung ist, und kehrt dann mit MacShane ins Schloss zurück. Esterházy bittet um ein Gespräch mit MacShane und beide Männer verabreden sich zum Duell in der Nacht. Während Feher abends für Sisi musiziert, fällt plötzlich ein Schuss. Feher gesteht Sisi, dass er wieder fahrender Musikant sein möchte und den Dienst bei ihr quittieren will. Am nächsten Morgen erhält Sisi Fechtstunden. Ein Bote berichtet, dass Esterházy nach Italien abgereist sei und überreicht einen Brief von MacShane, dass er nach England zurück müsse. Der liebeskranke Feher verlässt Gödöllö und bricht weinend auf der Straße zusammen.
Jahre später: Rudolf ist verheiratet und bezeichnet seine Ehe vor seiner Mutter als Irrtum. Sisi reist nach München ab und verweist ihn an Erzherzog Johann. Johann fordert Rudolf auf, sich Mary Vetsera aus dem Kopf zu schlagen, um ein freier König für ein freies Volk zu sein. Beide Männer gehen zum Treffen eines Geheimbundes, der verkündet, dass der Militarismus alles eigenständige Selbst-Sein töte. Sisis Hofdamen gehen die Aufenthalte am Starnberger See auf die Nerven. Sisi trifft sich mit Ludwig II.


Sisi erhält Fechtstunden

5.Akt:
Franz Joseph will Rudolfs Scheidung nicht zustimmen. Er appelliert daran, dass Rudolf an seinen Ruf denken solle, um nicht wie Johann zu werden. Am nächsten Tag findet eine Parade statt. Franz Joseph spricht Johann auf seine politische Einstellung an. Johann widersetzt sich dem Kaiser und wirft ihm seinen Degen vor die Füße.

Im Traum erscheint der Kaiserin König Ludwig II. Er tritt durch die Tür in ihr Schlafgemach ein, um sich an ihrem Bett von ihr zu verabschieden. Am nächsten Tag erhält Sisi die Nachricht vom Tode Ludwigs. Sisi geht zur aufgebahrten Leiche und legt Blumen nieder. Weinend bricht sie zusammen.
Rudolf übergibt Gräfin Larisch eine Kassette mit Dokumenten für den Fall, dass ihm etwas zustoßen sollte. Er gibt ihr den Auftrag, diese einem geheimnisvollen Mann zu übergeben.
Erzherzog Johann verabschiedet sich von Sisi. Sie gesteht ihm, dass sie sich Sorgen um Rudolf macht. Dieser befindet sich inzwischen mit seiner Geliebten Mary Vetsera auf Schloss Mayerling. Er berichtet ihr, dass er sich nicht scheiden lassen darf. Mary ist verzweifelt. Rudolf greift zum Revolver...
Währenddessen scheidet Erzherzog Johann aus der kaiserlichen Familie aus, um fortan unter dem bürgerlichen Namen „Johann Orth“ weiter zu leben.
Rudolfs Adjutant überbringt die Nachricht von Mayerling. In einem Flashback wird das Auffinden der beiden Leichen gezeigt. Jemand drückt Mary den Revolver in die Hand, so dass es aussieht, als habe sie erst Rudolf und dann sich selbst erschossen und nicht umgekehrt. Sisi überbringt dem Kaiser die Todesnachricht.
Gräfin Larisch will nun in einem Park die Kassette mit den Dokumenten übergeben. Es stellt sich heraus, dass Johann der geheimnisvolle Empfänger ist. Johann teilt dem Geheimbund die Nachricht vom Tode Rudolfs mit und übergibt ihnen die Kassette, da er das Land verlassen will. Sisi erhält einen Abschiedsbrief von Johann Orth.
Der Kaiser macht sich Sorgen um Sisis Gesundheit. Der Arzt beruhigt ihn, die Schweiz würde ihr guttun. Sisi lässt sich von Katharina Schratt vorlesen und empfiehlt sie dem Kaiser. Franz Joseph versichert Sisi, dass er sie immer geliebt hat. Sisi reist in die Schweiz ab und genießt den Aufenthalt. Während Sisi in Genf ankommt, findet ein Treffen von Anarchisten statt. Sisi bezieht im Hotel Beau Rivage eine Suite mit Blick auf den See. Erschrocken stellt sie fest, dass auf dem Tisch Astern in der Blumenvase stehen – Todesblumen...
Ein Anarchist liest während des Treffens den anderen aus der Zeitung vor, dass der Prinz von Orléans und Sisi beide im Hotel Beau Rivage abgestiegen sind. Die Anarchisten losen aus, wer ein Attentat auf einen der beiden Adeligen verüben soll. Das Los fällt auf Luigi Luccheni. Luccheni spitzt seine Feile und geht zum Hotel, wird jedoch abgelenkt, als Orléans vorbeikommt, da ihn ein Mädchen anspricht und ihn fragt, wo er vergangene Nacht war. Als er das Mädchen abgewimmelt hat, geht er ans Seeufer, um auf Sisi zu warten.


Sisi bricht auf dem Schiff zusammen

Sisi macht sich mit ihrer Hofdame zum Schiff auf und erkennt in einem Straßenmusikanten Feher, der immer noch in sie verliebt ist. Luccheni rempelt sie an und ergreift die Flucht. Sisi will den Weg zum Schiff fortsetzen und bricht an Bord zusammen. Der Kapitän lässt das Schiff wenden. Auf einer Bahre wird Sisi ins Hotel zurückgebracht, doch dort kann der Arzt nur noch ihren Tod feststellen. In Wien überbringt ein Adjutant dem Kaiser die traurige Nachricht. Franz Joseph ist entsetzt und bricht in seinem Arbeitszimmer vor einem Portrait der Kaiserin zusammen - „Mir bleibt auch nichts erspart!“

Kaiserin Elisabeth von Österreich“ zeichnet ein durchaus realistisches Bild der Kaiserin, wenn auch mit den historischen Hintergründen durchaus frei umgegangen wird. Der Film verzichtet weitestgehend auf die später in anderen Verfilmungen so ausgiebig ausgeschlachtete romantisch-kitschige Liebesgeschichte zwischen der jungen bayerischen Prinzessin und dem attraktiven feschen Kaiser. Die Verlobungsszene ist nur wenige Minuten lang und spielt auch nicht in Bad Ischl, sondern in Schloss Possenhofen am Starnberger See. Elisabeths Schwester Helene, die hier fälschlicherweise Christine heißt, ist nur ganz kurz zu sehen, auch kommen ihre Eltern und auch ihre Tochter Marie Valerie gar nicht vor – letzteres ist sicherlich damit zu erklären, dass Marie Valerie zur Entstehungszeit noch lebte. Selbiges trifft zwar auch auf Elisabeths Tochter Gisela zu, doch diese taucht im Film nur als kleines Mädchen in einer kurzen Szene auf.
Interessant ist sicherlich die Maskenball-Szene, die es so in keiner anderen Elisabeth-Verfilmung gibt, zumindest sofern sie mir bekannt sind. Auch wenn die Gräfin Larisch in ihrem Drehbuch den Namen des Kavaliers der Kaiserin, Fritz Pacher von Thainburg, in den Hofrat von Merkert umgeändert hat (Pacher von Thainburg starb 1934), so hat diese Episode ziemlich ähnlich der Darstellung im Film tatsächlich stattgefunden und ist durch mehrere Biographien (Corti, Hamann) historisch belegt – hat aber dennoch nie den Einzug in eine andere Verfilmung der kaiserlichen Biographie geschafft! Auch die Beziehung zwischen Elisabeth und ihrem englischen Reitpiloten Bay Middleton (im Film der Schotte MacShane) taucht in dieser Form (Händchenhalten) erst wieder im Film „Kronprinz Rudolf. Sisis einziger Sohn“ von 2006 wieder auf – ob sie nun historisch ähnlich „intim“ war wie im Film angedeutet, sei mal dahingestellt.
Die Darstellung der Mayerling-Affäre ist sicherlich insofern faszinierend, als dass die Drehbuchautorin Marie Gräfin Larisch bei eben dieser selber eine entscheidende Rolle inne gehabt hatte und sich darüber hinaus auch noch selber spielte. Dass sie sich nicht selber als Kupplerin darstellt, ist verständlich, doch zeigt der Film hier auch auf, wie seitens des Kaiserhauses der Selbstmord des Kronprinzen vertuscht werden sollte, indem man der toten Mary den Revolver in die Hand drückt. Tatsächlich lautete eine der ersten Versionen über die Mayerling-Affäre, Mary habe erst den Kronprinzen und dann sich selber getötet. Des weiteren zeigt der Film den Kronprinzen und seinen Cousin Johann als Mitglieder eines aufklärerischen Ordens, vermutlich einer Freimaurerloge, dem der Kronprinz seine vertraulichen Unterlagen nach seinem Tod indirekt durch die unwissende Gräfin Larisch zukommen lässt. Die Gräfin erscheint in diesem Film also nicht als Kupplerin, sondern als enge Vertraute des Kronprinzen, der ihr seinen letzten Wunsch übermittelt, nämlich die Übergabe der Kassette an einen Fremden in Park, Erzherzog Johann, der nach der Weitergabe der Kassette an den Geheimbund das Land verlassen wird, um als Bürgerlicher fernab vom Kaiserhaus zu leben. Doch anstatt den Nebel um Mayerling ein wenig zu lüften, bringt die Gräfin gerade durch den Geheimbund noch mehr Mysterien in die Geschichte... Weitere historische Hintergründe wie etwa der Ausgleich mit Ungarn von 1867 werden nicht angesprochen, Hinweise auf politische Entwicklungen wird man ebenfalls vergebens suchen – sieht man mal davon ab, dass Elisabeth sich während des Aufstands in Ungarn auf die Seite des ungarischen Volkes stellt.


Luccheni flüchtet nach dem Attentat, im Hintergrund der Straßenmusiker Feher. Gedreht wurde an Originalschauplätzen

Bemerkenswert ist sicherlich auch der Aufwand, mit dem einige Szenen gedreht wurden. Zumindest die Attentatsszene in Genf wurde an Originalschauplätzen gedreht, da man im Hintergrund eindeutig die Seepromenade und das Hotel Beau Rivage erkennen kann. Auch die Verlobungsszene könnte in Schloss Possenhofen gedreht worden sein. In den Szenen mit Ludwig II von Bayern ist scheinbar die Roseninsel im Starnberger See zu erkennen, ebenso ist es wahrscheinlich, dass in Gödöllö gedreht wurde – ein immenser Aufwand für eine so frühe Filmproduktion!
Elisabeth wirkt in diesem Film durchaus realistisch, betrachtet man ihn im Wissen um die auf heutige Zuschauer doch recht übertrieben wirkende dramatische Darstellung in Stummfilmen. Zu Anfang des Films ist sie durchaus die Märchen-Sisi, die der Marischka-Sissi ziemlich nahe kommt, doch entwickelt sie sich im Laufe der Handlung durchaus zu einer eher zum Kaiser distanziert wirkenden, nur ihrem Privatleben verpflichteten Frau, die darüber hinaus die Männer in ihrem Umfeld -die Figuren des Straßenmusikanten Feher, des Reitpiloten MacShane und des Grafen Esterházy stehen hier stellvertretend für historische Vorbilder wie eben Bay Middleton oder auch Gyula Andrássy- nicht nur um den Finger wickeln, sondern auch deren Herzen brechen kann.
Elisabeth von Österreich“ ist nicht nur der erste Spielfilm über das Leben der Kaiserin, sondern auch der bislang einzig mir bekannte, der das ganze Leben der Kaiserin präsentiert, ohne sich nur auf Ausschnitte mit offenem Ende, wie z.B. in den „Sissi“-Filmen oder auch in der „Sisi“-Verfilmung von 2009 zu beschränken oder eine lose Aneinanderkettung von Episoden, wie z.B. „Elisabeth von Österreich“ von 1931 beziehungsweise miesesten Fernseh-Kitsch à la „Sissi, l'impératrice rebelle“ von 2004 zu zeigen.
Schon alleine aus diesem Grund wäre es sicherlich wünschenswert, wenn eine DVD-Veröffentlichung irgendwann einmal zustande kommen würde. Die digital restaurierte Fassung, die in Berlin gezeigt wurde, war von einer überraschend guten Qualität, sieht man einmal davon ab, dass es leider keine überlebenden Noten der einstigen Filmpartitur gibt und es sich somit um einen „wahrhaftigen“ Stummfilm handelt. Da die deutschen Zwischentitel seitens der Berliner Ausstellungsmacher aus dem Niederländischen übersetzt wurden, wären diese also auch schon vorhanden. Und selbst wenn das aus irgendwelchen rechtlichen Gründen nicht möglich wäre – ich würde den Film auch stumm und op Nederlands kaufen. Wer irgendwann mal die Gelegenheit dazu hat, sollte diesen Film sehen!

 

Ludwig der Zweite (1930)

Bayern 1871: König Ludwig von Bayern fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden und zieht sich enttäuscht in die bayerische Bergwelt zurück. Beim Volk und auch beim Ministerrat sorgt ein solches Verhalten für Unruhe. Gerüchte über eine Intrige gegen den König machen die Runde. Doch man will den König vorerst gewähren lassen, da man in den Schlössern des Königs großes Potential sieht. Ludwig befindet sich währenddessen auf einer seiner Baustellen. Als einer seiner Arbeiter einen schweren Unfall erleidet, wird der König auf schmerzhafte Art an seinen Bruder erinnert.
Ludwig besucht seinen psychisch kranken Bruder Otto. Dieser ist durch die Behandlungsmethoden von Doktor Müller nicht nur vollkommen geistig umnachtet, sondern erleidet auch körperliche Qualen. Sofort macht sich Ludwig auf den Weg, um Doktor Müller zur Rede zu stellen. In der Klinik macht er die Bekanntschaft mit Doktor von Gudden und einer als geheilt geltenden Patientin, der er kurzerhand seine Kutsche zur Verfügung stellt.

In der königlichen Residenz findet ein Empfang statt, dem Ludwig eigentlich gar nicht beiwohnen will. Um nicht von den anderen Gästen gesehen zu werden, versteckt er sich beim Dinner hinter einer großen Blumendekoration auf dem Tisch. Doch er fühlt sich zusehends unwohl und lässt die Tafel schließlich aufheben. Ludwigs Verhalten brüskiert die anwesenden Mitglieder der königlichen Familie, die beschließt, Maßnahmen zu ergreifen. Ludwig lässt den Grafen von Dürkheim zu sich bitten, der in ein Duell verwickelt ist. Er verbietet das Duell und befördert von Dürkheim zum Adjutanten, bevor er nach Neuschwanstein reist.
Dort erhält er ein Telegramm mit der Nachricht, dass Richard Wagner verstorben ist. Ludwig ist bestürzt und traurig über den Verlust des ehemaligen Freundes. Der König trifft sich mit Kaiserin Elisabeth auf der Roseninsel. Er möchte am liebsten auf der Insel bleiben, unbehelligt von Politik und Geldsorgen.
In Linderhof veranstaltet Ludwig ein Dinner für Marie Antoinette und Ludwig XIV. Dabei wird er von einem Diener beobachtet, der sich über das Dinner ganz ohne Gäste wundert. Ludwig ist währenddessen dermaßen in seiner Traumwelt versunken, dass er sogar das Gemälde der französischen Königin küsst. Der Diener schreibt Seiten aus Ludwigs Tagebuch ab.
Um an mehr Geld zu gelangen, beugt Ludwig sich dem Willen seiner Minister, jede Ausgabe zuvor von ihnen absegnen zu lassen. Die Minister wollen einerseits dem König den Geldhahn abdrehen, fürchten aber andererseits um ihre Posten. Sie entschließen sich, gar nichts zu tun und den König weiter gewähren zu lassen. Ludwig plant den Bau eines weiteren Schlosses, der Burg Falkenstein, und verlangt daher nach mehr Geld. Beinahe unterliegt Ludwig dem Charme eines Kammerdieners. Er zerrt ihn zu sich ins Bett, es kommt zu einer Rangelei – doch da lässt der König seine Lakaien rufen. Aus lauter Scham zahlt er den Kammerdiener mit einigen Schmuckstücken aus.


Ludwig erinnert sich an seine Freundschaft zu Richard Wagner

Gerüchte, der König sei verschwenderisch und verrückt, machen die Runde. Doch dies hindert Ludwig nicht daran, seine Mutter zu ihrem Geburtstag mit Geschenken zu überhäufen. Obwohl er ihr versichert, über genügend Geld zu verfügen, entsendet er Bittsteller zu den Thurn und Taxis, Kaiser Franz Joseph und sogar zum König von Schweden und den Schah von Persien und droht dem Landtag mit Auflösung, wenn er nicht mehr Geld besorgen könne. Durch ein Schreiben Bismarcks in seinen Ansichten bestärkt, verlangt Ludwig auch mehr Geld von seinen Ministern, doch diese wenden sich an Luitpold von Bayern und bieten ihm die Krone an, sofern das Kabinett unter seiner Führung in der derzeitigen Form bestehen bleibt. Als Beweise führen sie eine ganze Akte mit Unterlagen an, die gegen den König sprechen, dazu gehört auch ein Gutachten von Doktor von Gudden, der bei Ludwig eine Paranoia diagnostiziert hat.
Die Absetzung des Königs wird beschlossen und der Ministerrat macht sich auf den weg nach Hohenschwangau. Ludwig, der sich in auf Schloss Neuschwanstein in unmittelbarer Nähe befindet, bekommt von all dem nichts mit und möchte am nächsten Tag nach Hohenschwangau fahren. Die Warnungen seiner Diener nimmt er nicht ernst. Aber auch die Herren Minister haben ihre Rechnung ohne die königliche Palastwache und die einfache Bevölkerung gemacht. Diese vereitelt den Ministern den Weg nach Neuschwanstein. Die Gräfin von Dürkheim gelangt im Gewühl bis zum König vor und will ihm zur Flucht nach München verhelfen. Ludwig jedoch möchte zuerst die Verräter verhaften lassen. In München hat sich von Gudden vom nunmehrigen Prinzregenten Luitpold eine Vollmacht über den König ausstellen lassen und lässt Schloss Berg für Ludwig vorbereiten. Ludwig stellt fest, dass er machtlos ist, nachdem er erfährt, dass er bis auf zwei Diener nun ganz alleine in Neuschwanstein ist. Er plant, sich vom höchsten Turm des Schlosses zu stürzen. Doch der inzwischen wieder freigelassene Ministerrat dringt in Neuschwanstein ein und lässt den König festnehmen. Die Gräfin von Dürkheim überbringt der Königsmutter die Nachricht von Ludwigs Festnahme und verspricht ihr, den König zu befreien. Ludwig wird in Schloss Berg festgesetzt. Ein Kirchgang zu Pfingsten wird ihm verweigert, stattdessen erklärt von Gudden sich zu einem Spaziergang am Ufer des Starnberger Sees bereit. Elisabeth hat ebenfalls von Ludwigs Situation erfahren und beschließt, den König so bald wie möglich zu besuchen.


Elisabeth und Ludwig auf der Roseninsel
 

Ludwig macht unter von Guddens Aufsicht scheinbar gute Fortschritte. Der Gräfin von Dürkheim gelingt es, Ludwig zu treffen. Ihre Kutsche wartet auf ihn. Ludwig und von Gudden machen einen Spaziergang am Seeufer, diesmal ohne die sonst übliche Polizeiüberwachung. Zwischen den beiden Männern kommt es zum Streit. Ludwig flüchtet in den See, doch von Gudden will ihn aufhalten. Bei der folgenden Prügelei zwischen Ludwig und von Gudden kommt er Arzt ums Leben. Ludwig geht als Sieger aus dem Kampf hervor – doch er erleidet vor den Augen der Gräfin einen Herzanfall und ertrinkt seinerseits im See.
 


Der Film sorgte 1930 wegen einiger expliziter Szenen für einen Skandal

Wilhelm Dieterles „Ludwig der Zweite“ war zu seiner Zeit ein Skandal und sollte sogar nach dem Willen bayerischer Monarchisten wegen „Geschichtsverfälschung“ verboten werden. Die Darstellung Ludwigs nicht als strahlenden Märchenkönig, sondern als enttäuschten, menschenscheuen bis menschenverachtenden Grübler mit homosexuellen Neigungen erschien damals ungeheuerlich. Tatsächlich verzichtet der Film interessanterweise darauf, den jungen, schönen und strahlenden Monarchen zu zeigen. Selbst auf eine Liebesgeschichte wird – abgesehen von einigen Andeutungen zwischen Ludwig und Elisabeth – verzichtet; Elisabeths Schwester taucht in diesem Film nur in Form einer Hand, der ein Ring an- und dann wieder abgesteckt wird, auf. Die ersten Jahre der Regierungszeit Ludwigs, als er wirklich noch als strahlender Kämpfer für das Schöne zu inszenieren gewesen wäre, werden vollkommen ausgeblendet. Selbst Ludwigs Freundschaft zu Richard Wagner wird nur einmal ganz kurz angesprochen, als der König die Nachricht vom Tode seines ehemaligen Freundes erhält.


Trude von Molo als Kaiserin Elisabeth

„Ludwig der Zweite“ steht an der Schwelle zwischen Stumm- und Tonfilm. So manche Trickeffekte sind durchaus gut gealtert und die Schauspieler agieren etwas natürlicher als in älteren Stummfilmen. Wilhelm Dieterle führte nicht nur Regie, sondern schrieb sich selber die Hauptrolle des Ludwig auf den Leib – was man auch spürt. Gegen ihn verblassen alle anderen Darsteller, ja man mag nicht einmal die einzelnen Minister und Kammerdiener auseinander halten, weil sie einfach kein Profil entwickeln können. Dadurch gerät der Film leider so manches Mal zur „One-Man-Show“.
Interessant ist sicherlich die kurze Szene zwischen Ludwig und dem Kammerdiener beim Betrachten der Männerstatuen. In Raffés „Das Schweigen am Starnbergersee“ von 1920 findet sich eine solche Szene ebenso wenig wie in Käutners „Ludwig II.“ von 1955. Erst Luchino Visconti inszenierte wieder einen homosexuellen König – 1972!

 

Elisabeth von Österreich (1931)
Das Original-Filmprogramm von 1931

Als ich 2006 über ein Wiener Antiquariat eine Ausgabe des Filmprogramms zu "Elisabeth von Österreich" erstand, hätte ich mir nie zu träumen gewagt, diesen Film auch einmal wirklich sehen zu können. Außer dem Filmprogramm und einem kleinen Eintrag bei in der International Movie Database war nichts über diesen frühen Sisi-Film zu finden und die Wahrscheinlichkeit, dass ein so alter Film überhaupt mal auf VHS oder DVD veröffentlicht wird -zumal ungewiss war, ob er überhaupt noch existierte- stand eins zu einer Million. Ich hakte diesen Wunsch also als unerfüllbar ab und erfreute mich viel mehr an dem ausführlichen Filmprogramm, dessen Inhalt ein Melodram über die vollständige Biographie der Kaiserin versprach. 2010 geschah dann ein kleines Wunder und der Verleih Kinowelt veröffentlichte "Elisabeth von Österreich" auf DVD, in "exzellenter, neu abgetasteter Bildqualität" (Eigenwerbung von Kinowelt).
Zwar handelt es sich bei "Elisabeth von Österreich" nicht wie von Kinowelt behauptet, um den allerersten Film über die Kaiserin, aber er ist immerhin einer der ältesten Filme zum Thema und sicherlich der älteste Film über die Kaiserin, der derzeit erhältlich ist. Die DVD enthält als Bonusmaterial noch einige Trailer zu weiteren Filmen von Kinowelt und eine als "Presseheft" angekündigte Kopie des Filmprogramms als pdf-Datei, die man sich auf dem heimischen PC angucken oder ausdrucken kann. Allerdings ist die Qualität der für diese pdf-Datei verwendeten Kopie des Filmprogramms mehr als dürftig, das Programm wirkt wie die Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie...
Auch der Eindruck, "Elisabeth von Österreich" würde das gesamte Leben der Kaiserin behandeln, wie er durch das Lesen des Programmheftes suggeriert werden mag, muss leider revidiert werden. Der Film hat lediglich eine Spieldauer von 78 Minuten, so dass Kürzungen unvermeidbar erscheinen. Tatsächlich bezeichnet "Elisabeth von Österreich" sich gleich zu Anfang als "historische Reportage" und beleuchtet auch nur einige Episoden aus dem Leben der Kaiserin und das -man muss es leider so drastisch formulieren- mitunter auch ohne große Zusammenhänge.


Lil Dagover mit den klassischen Sisi-Sternen im Haar

Der Film zeigt zu Anfang eine junge Kaiserin, die mit ihrem Verhalten bei Hofe überall aneckt. Sehr zum Missfallen ihrer Schwiegermutter lädt Elisabeth eine Kunstreiterin vom Zirkus in die Hofburg ein, um sich mit ihr über die richtige Handhabung der "Gäule" zu unterhalten, geht in einem bürgerlichen Lokal in Wien essen, da es dort bayerische Spezialitäten gibt, unterbindet das Spießrutenlaufen der kaiserlichen Armee und wagt es, auf einem Ball in aller Öffentlichkeit, ihre Handschuhe auszuziehen.
Elisabeths Schwangerschaft ist für das Kaiserhaus ein Grund zur Freude. Am Tag der Niederkunft versammeln sich die Mitglieder des Kaiserhauses in der Hofburg, während das Volk vor den Toren des Schlosses auf die Salutschüsse wartet, die ankündigen, ob das Neugeborene ein Junge oder ein Mädchen ist. Als der 101. Salutschuss abgegeben ist, ist man in der Hofburg erleichtert und erfreut, während das Volk begeistert auf den Straßen jubelt und das "Gott erhalte" anstimmt. Österreich hat endlich einen Thronfolger. In der Hofburg kommt es am nächsten Morgen zum Streit zwischen Elisabeth und dem Kaiser. Elisabeth möchte ihr Baby sehen und verlangt, es zu stillen. Doch Franz Joseph beharrt auf der Einhaltung des Zeremoniells, das einer Kaiserin verbietet, ihr Kind selber zu stillen. Elisabeth ist verzweifelt und bricht in Tränen aus. Der Kaiser versucht, sie zu beruhigen, indem er ihr einredet, sie wäre schwer krank und sollte sich auf Reisen begeben, um wieder zu Kräften zu kommen.


Elisabeth verbringt unbeschwerte Tage in Bayern

Elisabeth befolgt den Rat ihres Mannes und begibt sich auf Reisen. In den nächsten Jahren reist sie in der Welt herum. Dies wird allerdings nicht gezeigt, sondern durch Texttafeln ähnlich wie in Stummfilmen und auf Französisch -warum eigentlich Französisch- dem Zuschauer suggeriert. In Bayern kann sie endlich wieder aufatmen und trifft sich mehrmals mit ihrem Cousin König Ludwig II von Bayern.
Zurück in Wien droht jedoch wieder Unglück herauf zu ziehen. Kaiser Franz Joseph besteht auf einer Hochzeit des inzwischen erwachsenen Kronprinz Rudolf mit Prinzessin Stéphanie von Belgien. Elisabeth ist gegen diese Verbindung, kommt jedoch zu spät, um sie noch zu verhindern. Rudolf fügt sich widerwillig dem Wunsch seines Vaters und heiratet die belgische Prinzessin ohne jedoch sein altes Junggesellenleben zwischen Bürgerlichen, Heurigen und Weibergeschichten aufzugeben. Die Nachricht vom Tode des bayerischen Königs im Starnberger See ist ein weiterer schwerer Schlag für die Kaiserin. Inzwischen hat der Kaiser von der Affäre seines Sohnes mit der jungen Baroness Vetsera erfahren und ruft Rudolf zu sich. Dieser hat bereits beim Papst um die Annullierung seiner Ehe gebeten, damit er Mary heiraten kann. Der Kaiser zwingt Rudolf zur Beendigung des Verhältnisses und fordert seinen Sohn auf, das Mädchen aus der kaiserlichen Schatulle auszahlen zu lassen. Als auch die Kaiserin im Streit zwischen Vater und Sohn nicht vermitteln kann, fährt Rudolf zum letzten Rendezvous mit Mary nach Mayerling. Am nächsten Tag werden der Kronprinz und seine Geliebte erschossen aufgefunden.


Die Kaiserin bemüht sich vergebens, zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn zu vermitteln

Noch vor dem Kaiser erhält die Kaiserin die Nachricht vom Tode ihres Sohnes. Sie macht sich zum Kaiser auf, um ihn von der Tragödie von Mayerling zu unterrichten und bewahrt dabei die Fassung. Zehn Jahre später logiert sie im Genfer Hotel Beau Rivage. Als sie morgens zum Anlegeplatz der Schiffe gehen will, wird sie von einem unbekannten Mann angegriffen und stürzt. Der Täter flüchtet, kann jedoch von umstehenden Passanten bald festgehalten werden. Elisabeth setzt ihren Weg zum Schiff fort, bricht dort aber erneut zusammen und wird schließlich in ihr Hotelzimmer zurück gebracht. Der schnell herbeigerufene Arzt kann jedoch nur noch den Tod der Kaiserin diagnostizieren.

Wie aus dieser Inhaltsangabe ersichtlich wird, konzentriert sich dieser Film nur auf einige Episoden aus dem Leben der Kaiserin, wobei die Mayerling-Tragödie den Schwerpunkt bildet. Der Rest des Filmes ist eine mitunter ziemlich lose aneinandergereihte Nummern-Revue, der leider der verbindende dramaturgische rote Faden fehlt. So wirkt der Film leider vor allem in der ersten Hälfte ziemlich unkoordiniert und vermag so weder als Spielfilm noch als historische Reportage zu überzeugen. Des weiteren lässt der Film sämtliche historischen Hintergründe außer Acht. Hinweise auf die Revolution von 1848, Solferino, Königgrätz, den Ausgleich mit Ungarn oder ähnliches wird man vergebens suchen, auch kommen Elisabeths Kinder mit Ausnahme des Kronprinzen Rudolf überhaupt nicht vor. Des weiteren verliert sich der Film stellenweise in einigen Nebenszenen, die viel zu lang sind und somit die Haupthandlung nur verzögern.


Elisabeth überbringt ihrem Mann die Nachricht von der Tragödie von Mayerling

Was lässt sich also als Fazit zu "Elisabeth von Österreich" sagen? Als langjährige Sisi-Sammlerin und Hobbyforscherin bin ich Kinowelt wirklich mehr als dankbar, dass sie diesen Film, der sicherlich für jeden ernsthaften Sammler ein absolutes Muss darstellt, auf DVD veröffentlicht haben. Als Liebhaberin von Historienfilmen und Dokumentationen muss ich sagen, dass das Konzept dieses Films leider nicht aufgeht. Es bleibt also weiterhin mein Aufruf an alle Filmschaffenden dieser Welt, endlich mal eine historisch korrekte und gleichzeitig dramaturgisch spannende (und nicht im Kitsch ertrinkende) filmische Darstellung des Lebens der österreichischen Kaiserin auf die Leinwände dieser Welt (oder zumindest auf die heimischen Mattscheiben) zu bringen.
Danke, Kinowelt! Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.


Valse Royale (1936)
Filmplakat von 1936
Wien 1852: Kaiser Franz Joseph gedenkt, sich zu verloben. Jedoch nicht wie vom Kaiserhof gewünscht, mit seiner Cousine Helene, sondern mit deren jüngeren Schwester Elisabeth. Um seinen königlichen Onkel in München überreden zu können, dieser Verbindung seinen Segen zu geben, schickt er seinen Freund Michel de Thalberg nach München. Dessen Vater ist zufällig der österreichische Gesandte in München und hat großes Interesse an einer Verbindung zwischen Franz Joseph und Helene.
Kaum in München angekommen, gerät de Thalberg ohne es zu bemerken in eine peinliche Situation: die frühreife und mannstolle Anni Thomasoni inszeniert im Englischen Garten einen kleinen Unfall, aus dem de Thalberg sie rettet. Als Anni anfängt, mit dem Grafen zu flirten, weist er sie ab, ein anwesender Angehöriger der Sittenpolizei interpretiert die Szene jedoch falsch, indem es ihm erscheint, ein unbekannter Offizier habe Anni unsittlich berührt und sexuell belästigt.
Die Nachricht verbreitet sich bis ins Café Thomasoni zu Annis Vater, der erst vor kurzem zum Hoflieferanten ernannt wurde und am Abend mit seiner älteren Tochter Thérèse zum Hofball gehen wollte. Thérèse besteht darauf, den Ball zu besuchen, um eventuellen Klatschmäulern den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Der Ball wird für Thérèse ein großer Erfolg: nicht nur schwärmen sämtliche Kavaliere für sie (obwohl sie sich weigert, mit ihnen zu tanzen), der König persönlich verspricht, sich für sie einzusetzen und den Verführer ihrer Schwester unter den Offizieren seiner Armeen ausfindig zu machen und dafür zu sorgen, dass dieser Anni dann unverzüglich zu heiraten hat, um die Ehre des Mädchens wieder herzustellen. Derart beschwingt, erliegt Thérèse dann schließlich doch noch den Avancen de Thalbergs. Nachdem dieser beim König die Erlaubnis für die Verlobung zwischen dem Kaiser und Herzogin Elisabeth eingeholt hat, tanzt er mit Thérèse den ganzen Ball durch, bis diese ihm wie Aschenputtel entwischt.


de Thalberg handelt im Auftrag von Herzogin Sissi

Auf den Aufruf des Königs, den schuldigen Offizier ausfindig zu machen, meldet sich jedoch niemand. Die Volksseele kocht und plant bereits den Aufstand gegen den König, als de Thalberg bei Thomasoni auftaucht, um um die Hand seiner Tochter anzuhalten. Thomasoni interpretiert die Szene falsch und Anni, die de Thalbergs Ankunft beobachtet hat, beharrt darauf, dass dieser „ihr“ Offizier sei. Thomasoni besteht nun auf der Verlobung, de Thalberg kann sich nicht erklären und als Thèrése dazu kommt, stürmt er aus dem Haus in den königlichen Palast.
Michel sitzt nun in der Zwickmühle. Ohne sein Wissen hat Anni einen Pakt mit seinem Vater geschlossen. Dieser besteht nun, ebenfalls wie der König und Herzogin Elisabeth, auf einer Verlobung mit einem Fräulein Thomasoni, um schwere politische Komplikationen zwischen Österreich und Bayern zu verhindern. Schweren Herzens willigt er ein, doch wieder bei Thomasoni weigert sich dieser, ihm Annis Hand zu geben, da diese die ganze Geschichte inzwischen vor ihrer Familie gestanden hat. De Thalberg soll nun Thérèse heiraten, doch dies ist nun aus Staatsraison nicht mehr möglich. Verzweifelt wendet sich Thérèse nun an Elisabeth, denn der Staatsbesuch des österreichischen Kaisers steht nun an und die Zeit ist knapp. Elisabeth kommt jedoch die rettende Idee: da de Thalberg ja nur „ein Fräulein Thomasoni“ heiraten soll, aber nicht gesagt wird, welches Fräulein, darf er nun doch um Thérèses Hand anhalten. Der Einzug des österreichischen Kaisers wird ein Triumph und alle Paare haben sich gefunden.

 

                                                                                
                                                                                                                                                                              Kommen sich näher: de Thalberg und Thérèse

„Valse royale“ ist eine recht interessante Produktion, wenn man beachtet, vor welchem Hintergrund sie entstanden ist. Es handelt sich hierbei nämlich um eine deutsch-französische Koproduktion gedreht zur Zeit des Nationalsozialismus. Tatsächlich gibt es zwei Versionen dieses Filmes: zum einen die hier besprochene französische und eine deutsche unter dem Titel „Königswalzer“. Da die deutsche Fassung (noch) nicht auf DVD oder bluray erschienen ist, muss ein direkter Vergleich der beiden Filme leider entfallen. Vergleicht man jedoch die Produktionsnotizen, so fällt auf, dass hinter der Kamera ein und dasselbe Team für den Film verantwortlich war. Es ist daher anzunehmen, dass der Film zweimal gedreht wurde, nämlich einmal mit einer französischen und einmal mit einer deutschen Besetzung. Da zudem deutlich erkennbar in München gedreht wurde, ist davon auszugehen, dass die Massenszenen wie etwa auf dem Hofball und der Empfang des Kaisers mit den selben Statisten erstellt wurden und lediglich jene Szenen mit „sprechenden Rollen“ neu gedreht wurden. Ebenfalls wurden einige Rollennamen angepasst: Michel de Thalberg heißt zum Beispiel in der deutschen Fassung Ferdinand von Tettenbach und einige weitere deutsche Namen wurden frankonisiert.
1955 gab es, wahrscheinlich auch im Zuge des k.u.k.-Filmbooms, ein deutsches Remake des Stoffes mit Marianne Koch und Michael Cramer in den Hauptrollen der Theres und von Tettenbachs. Im Gegensatz zum Remake ist die französiche Fassung von 1936 wesentlich operettenlastiger, so singen sowohl Thérèse wie auch de Thalberg und die begeisterten Kaffeehausbesucher. Die Figur von de Thalbergs Vater wurde ebenso wie die Opernszene gestrichen, dafür wurde im Remake der Person der Herzogin Elisabeth mehr Platz eingeräumt. In der französischen Fassung von 1936 tritt diese doch sehr in den Hintergrund und die Inhaltsangabe im UFA-Filmprogramm lässt darauf schließen, dass dies wohl auch in der deutschen Fassung so war. Im Remake steht zwar ebenfalls die Handlung um Theres und von Tettenbach im Vordergrund, die kaiserliche Verlobung nimmt jedoch mehr Platz ein als im Original.


Alla Donell als Elisabeth

Die französische Fassung ist 2012 in Frankreich auf DVD erschienen und macht mit einer restaurierten Bild- und Tonspur wirklich Freude. Allerdings gibt es keine Untertitel, weder auf Französisch selber oder gar in anderen Sprachen. Der Film selber ist eine harmlose historische Komödie, die ganz nett unterhält und mit schönen Kostümen und beschwingten Walzermelodien aufwartet. Henri Garat als Michel de Thalberg und Renée Saint-Cyr als Thérèse überzeugen sowohl darstellerisch wie auch gesanglich. Einzig Mila Parély als Anni ist eine Fehlbesetzung, da sie für die Rolle eines frühreifen Backfischs schlicht zu alt ist und mit ihren aufgemalten Augenbrauen leider auch absolut unglaubwürdig wirkt. Alla Donell als Herzogin Elisabeth ist leider zu selten zu sehen, als dass man ihre Leistung wirklich beurteilen könnte. Im Gegensatz zum historischen Vorbild und anderer Filmversionen ist Sisi hier allerdings blond.

 

Mayerling (1936)

In Wien protestieren die Studenten. Ministerpräsident Taaffe ist machtlos gegen die Aufstände, sofern er nicht das Gesetz etwas biegen kann. Vor allem der Journalist Szeps mit seinen liberalen Ideen ist ihm ein Dorn im Auge, doch gegen den kann er nichts ausrichten, da dieser wichtige Freunde, unter anderem im Kaiserhaus selbst, hat. Währenddessen vernimmt die Polizei die Teilnehmer des Aufstandes, unter ihnen Szeps und Kronprinz Rodolphe. Der Kaiser lässt Rodolphe zu sich kommen und versucht, ihm seine politischen Interessen auszureden. Da Rodolphes Vermählung mit Prinzessin Stéphanie von Belgien bald ansteht, solle er sich lieber auf seine zukünftige Rolle als Ehemann und Vater vorbereiten, anstatt sich mit Weibergeschichten und Intellektuellen abzugeben. Rodolphe erklärt seinem Vater, dass er Stéphanie nur aus Pflichtgehorsam heiraten würde und er nicht mehr aus dieser Beziehung erwarten dürfe.
5 Jahre nach der Hochzeit hat Rodolphe denn auch sein altes Leben nicht aufgegeben. Doch Alkohol, Herrenrunden und hübsche Frauen im Sacher langweilen ihn zusehends. Als Rodolphe feststellt, dass Taaffe ihn sogar im Sacher durch eine Sängerin bespitzeln lässt, trifft er sich mit Szeps im Prater. Dort fällt ihm die junge Marie Vetsera auf, die er vor einem aufdringlichen Kavalier rettet. Auf der Suche nach Maries Mutter, die sie im Prater verloren hat, kommen die beiden sich näher. Doch Marie, die Rodolphe nicht erkennt, entwischt dem Kronprinzen, bevor er sie nach ihrem Namen fragen kann.
Am folgenden Tag erhält Rodolphe unerfreuliche Nachrichten: Szeps' Zeitung ist geschlossen worden, der Journalist ist untergetaucht. Rodolphe will unverzüglich mit dem Kaiser reden, doch er wird vertröstet; in den nächsten zwei Tagen habe der Kaiser keinen Audienztermin für ihn frei. Jedoch verlangt der Kaiser Rodolphes Anwesenheit bei einer Operngala am Abend, bei der die ganze kaiserliche Familie anwesend sein wird. Rodolphe wittert seine Chance, nun doch mit dem Kaiser reden zu können.
In der Oper erlebt Marie Vetsera, die zum ersten Mal in der Gesellschaft auftritt, eine Überraschung, als sie Rodolphe in der kaiserlichen Loge erblickt. Auch der Gräfin Larisch fällt das junge Mädchen auf. Sie nimmt sich vor, Marie unter ihre Fittiche zu nehmen und lädt das Mädchen zu ihrer nächsten Abendgesellschaft ein. Während der Vorstellung erkennt auch Rodolphe aus der Loge Marie wieder. Beide können die Augen kaum von einander lassen. In der Pause flattert die Gräfin Larisch in die kaiserliche Loge, in der sich auch Katharina Schratt aufhält, und nennt Rodolphe den Namen seiner Angebeteten. Sie schlägt Maries Bruder für einen Posten in Rodolphes Regiment vor.


Rodolphe trifft Marie in der Kirche

Am folgenden Tag sucht Rodolphe Marie während eines Gottesdienstes in der Kirche auf. Er gesteht er, dass er ständig an sie denken muss und sie nicht vergessen kann. Er bittet Marie, sich mit ihm zu treffen. Auch Marie kann Rodolphe nicht vergessen, doch sie sieht keine Möglichkeit, ihn wiederzusehen. Wenige Tage später taucht die Gräfin Larisch bei Vetseras auf. Mit allerlei Komplimenten verdreht sie der Baronin den Kopf, während sie Marie eine Nachricht von Rodolphe übermittelt. Mit der Ausrede, Maries Begleitung für einen Besuch bei der Schneiderin zu benötigen, bringt die Gräfin Marie in die Hofburg zum Kronprinzen. Rodolphe führt Marie dann gleich ins Schlafzimmer, kann sich aber nicht durchringen, das Mädchen zu verführen, wie er es eigentlich geplant hatte. Er kann sich nicht vorstellen, dass Marie um seiner selbst willen in ihn verliebt ist, ohne dabei an eine Belohnung in Form von Macht oder Position zu verlangen.
In den folgenden Wochen entspinnt sich eine Liebesbeziehung zwischen Rodolphe und Marie, die von der Geheimpolizei nicht unentdeckt bleibt. Als die Baronin Vetsera durch einen anonymen Brief über die Affäre informiert wird, schickt sie ihre Tochter umgehend zu Verwandten nach Triest. Rodolphe erfährt von der Gräfin Larisch von Maries Abreise und verzweifelt. Bald verfällt er wieder in alte Verhaltensweisen zurück und macht die Nächte im Sacher mit wechselnden Frauen durch. Als eins seiner Gelage im Sacher zu eskalieren droht, taucht Marie plötzlich auf. Maries Anwesenheit hält Rodolphe vom Zusammenbruch ab und beide verbringen die Nacht im Sacher.
Rodolphe erklärt Marie beim Heurigen, dass er vorhat, dem Papst um die Annullierung seiner Ehe zu bitten, damit er sie heiraten kann. Er überreicht ihr einen Ring. Marie bittet Rodolphe, ihr den Ring anzustecken, damit sie sich etwas wünschen kann. Sie wünscht sich, vor Rodolphe zu sterben. Rodolphes und Maries Anwesenheit im Prater bleibt nicht unbemerkt und bald kommt es zu einem Handgemenge zwischen Maries Bruder und einem weiteren Offizier von Rodolphes Regiment. Der Kronprinz löst die Situation und gibt Marie so die Gelegenheit, von ihrem Bruder unbemerkt das Lokal zu verlassen.


Verlieben sich: Rodolphe und Marie

Marie sucht am nächsten Tag Rodolphe auf, damit er ihren Bruder vom geplanten Duell um Maries Ehre gegen den anderen Offizier abbringt. Während sie auf Rodolphes Rückkehr wartet, betritt auf einmal die Kaiserin den Raum. Sie schließt Marie direkt in ihr Herz und behandelt sie mit äußerster Wärme. In der Kaserne klärt Rodolphe Maries Bruder Georg über sein Verhältnis zu seiner Schwester auf. Georg glaubt Rodolphe, dass dieser Marie heiraten will, sobald er die Bestätigung vom Papst hat.
Inzwischen hat jedoch der Kaiser von Rodolphes Scheidungsplänen erfahren. Er verlangt von Rodolphe, die Affäre zu beenden, ansonsten würde er Marie in ein Kloster sperren lassen. Rodolphe gelingt es, eine Frist von 24 Stunden auszuhandeln, um mit Marie Schluss zu machen. Er sieht nur noch einen Ausweg für sich und Marie.
Am Abend findet in der Hofburg ein Ball statt, zu dem auch die Vetseras eingeladen sind, sehr zum Missfallen der Hofgesellschaft und der kaiserlichen Familie. Rodolphe sorgt für einen Affront, als er den Ball mit Marie eröffnet. Er fragt sie, ob sie bereit ist, mit ihm in den Tod zu gehen, da sie in diesem Leben nicht zusammen sein können. Marie sagt ja. Rodolphe lässt daraufhin Vorbereitungen für eine Jagdgesellschaft in Mayerling treffen, die als Alibi für seine Abwesenheit in Wien dienen soll. Als Marie sich weigert, vor der Kronprinzessin zu knicksen, sorgt sie für einen Skandal, der von der Gräfin Larisch nervös beobachtet wird.
In Mayerling bittet Marie Rodolphe, ihr nicht zu sagen, wann er den Todespakt durchziehen wird. Währenddessen suchen Baronin Vetsera und Georg den Ministerpräsidenten Taaffe auf, um Maries Aufenthaltsort herauszufinden. Er schickt die beiden „in die Nähe von Laxenburg“.
Marie und Rodolphe verbringen einen letzten Abend im kleinen Freundeskreis in Schloss Mayerling. Die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen, doch vor dem Zubettgehen muss Rodolphe Marie versprechen, das Licht nicht zu löschen, da sie sich sonst fürchte. Während Marie schläft, bekommt Rodolphe kein Auge zu. Als sie am Morgen wieder erwacht, richtet Rodolphe schließlich den Revolver auf sie. Durch den Schuss alarmiert, klopft Rodolphes Kammerdiener Loschek an die Schlafzimmertür des Kronprinzen, doch Rodolphe versichert ihm, er habe sich nur verhört. Rodolphe schickt Loschek weg und kehrt an Maries Totenbett zurück. Wenig später nimmt auch er sich das Leben. Im Sterben greift er noch nach Maries Hand.


Gabrielle Dorziat als Kaiserin Elisabeth
 

„Mayerling“ ist das Original zum gleichnamigen Film mit Omar Sharif als Kronprinzen von 1968. Während das Remake jedoch auch die politische Seite Rudolfs mehr betont, so behandelt das Original fast ausschließlich die Liebesgeschichte zwischen Rudolf und Mary Vetsera. Der Grund für den Doppelselbstmord ist hier nicht dadurch motiviert, dass Rudolf ein Kronprinz in „Dauerwarteschleife“ ist, der darüber hinaus vollkommen andere politische Vorstellungen als sein Vater hat, sondern einzig die Affäre mit Mary Vetsera ist der Grund, warum Rudolf sich das Leben nimmt. Rudolf braucht Mary nicht nur, damit sie ihm von seiner politischen Lage ablenkt, sondern vor allem, damit sie ihn vor Alkohol und Weibergeschichten abhält. Dabei lässt Charles Boyer es als Kronprinz durchaus mehr krachen als so mancher seiner Filmnachfahren. Man nimmt es ihm durchaus ab, dass er seine Mitmenschen verachtet, die in ihn nur den Kronprinzen, aber nicht den Menschen sehen. Danielle Darrieux als Marie ist ganz süß anzusehen. Sie findet eine gute Balance zwischen dem naiven jungen Mädchen und der Geliebten des Kronprinzen. Suzy Prim als Gräfin Larisch kommt in dieser Adaption deutlich verlotterter und verlebter rüber als in anderen Produktionen. Auch hat die „Freundin“ des Kaisers Katharina Schratt einen kleinen Nebenauftritt und wird auch mehrmals erwähnt. Gabrielle Dorziat als Kaiserin Elisabeth tritt nur kurz in Erscheinung, verkörpert aber in ihren wenigen Einstellungen eine einerseits liebevolle, aber verbitterte Kaiserin und Mutter.
„Mayerling“ ist, trotz eines überschaubaren historischen Wahrheitsgehalts, ein durchaus ansehbarer Film, der andere Adaptionen eindeutig inspiriert hat.

 

The king steps out (1936)

Kaiser Francis Joseph soll auf Wunsch seiner Mutter seine Cousine Prinzessin Helena heiraten. Diese ist jedoch in Poldi Palfi verliebt, der ihr einen Antrag machen möchte, bevor die kaiserliche Order aus Wien in Bayern eingetroffen ist. Obwohl Herzog Max für die Verlobung zwischen Helena und Poldi ist, kann er sich gegen seine Frau Louise nicht durchsetzen. Louise besteht auf der Heirat ihrer Tochter mit dem Kaiser und reist gemeinsam mit ihr und einem österreichischen Gesandten nach Hellbrunn, wo die Verlobung in drei Tagen zum Geburtstag des Kaisers öffentlich bekannt gegeben werden soll.
Helenas jüngere Schwester Cissy ist alles andere als begeistert von der Idee, dass ihre Schwester einen Mann heiraten soll, den sie nicht liebt. Sie macht ihrem Vater schwere Vorwürfe aufgrund seiner Nachgiebigkeit und reist kurzerhand mit ihm ihrer Mutter und Schwester nach Hellbrunn nach. Unter dem Vorwand, eine Schneiderin zu sein, die der Prinzessin zum Verlobungsball ein Kleid bringen müsste, schleicht sie sich in die kaiserliche Residenz ein. Als sie im Schlossgarten verbotenerweise Rosen pflückt, fällt sie dem Kaiser durchs Fenster auf, der sie sofort zu sich bringen lässt. Cissy lässt sich vom Kaiser, den sie zuerst nicht erkennt, nicht einschüchtern und beeindruckt ihn durch ihre burschikose Art. Als Max in der Residenz eintrifft, um Francis Joseph die Verlobung auszureden, versteckt Cissy sich im Nebenzimmer. Plötzlich tauchen die Kaisermutter und Louise auf, um Francis Joseph und Helena einander vorzustellen. Mit der Ausrede, sich noch umziehen zu müssen, entledigt sich der Kaiser der Frauen und geleitet wenig später auch Max aus seinen Gemächern. Bevor er sich von Cissy verabschiedet, verabredet er sich mit ihr für den Abend.
In einer einfachen Offiziersuniform und immer noch in dem Glauben, mit einer bürgerlichen Schneiderin auszugehen, genießt Francis Joseph die Festlichkeiten der einfachen Bürger zu Ehren seines Geburtstags. Dabei zeigt er, dass mehr in ihm steckt als nur ein hochnäsiger Bürokrat oder ein langweiliges Muttersöhnchen, für das Cissy ihn hält. Der Kaiser verliebt sich unsterblich in die vermeintliche Schneiderin, so sehr, dass er, nachdem er im Morgengrauen nach einer durchfeierten Nacht in die Residenz zurückkehrt, daran zweifelt, ob er nicht lieber Junggeselle bleiben sollte, anstatt dem Wunsch seiner Mutter nachzugeben. Natürlich könnte ein Kaiser niemals eine einfache Bürgerliche heiraten.


Besuchen einen Jahrmarkt: Cissy und Francis Joseph

Als die Erzherzogin erfährt, dass der Kaiser die Nacht mit einer Bürgerlichen verbracht hat, lässt sie das Mädchen suchen. Cissy schleicht sich erneut als Schneiderin Elisabeth Schmidt in die Residenz ein, um Helena mitzuteilen, dass der Kaiser ihr versprochen hat, Helena auf keinen Fall zu heiraten. Doch anstatt sich zu freuen, macht Helena Cissy Vorwürfe, sie habe ihr den Kaiser aus Neid ausgespannt. Es kommt zum Streit zwischen den Schwestern. Als Cissy die Residenz verlassen möchte, wird sie von der Sicherheitspolizei festgenommen, die sie inzwischen als die junge Frau identifiziert hat, die die vergangene Nacht mit dem Kaiser verbracht hat.
Als Herzog Max durch Palfi erfährt, dass Cissy im Gefängnis sitzt, lässt er seine Tochter sofort wieder auf freien Fuß setzen. Cissy hat nun genug von der kaiserlichen Familie und will nur noch nach Hause. Francis Joseph erhält einen Brief von „Elisabeth Schmidt“, in dem Cissy ihn bittet, Helena zu heiraten, da die vergangene Nacht ein Irrtum gewesen wäre. Der Kaiser kann Cissy noch vor ihrer Abreise im Gasthof erwischen, wo er mit ihr zu Abend isst. Er versucht, sie zu überreden, seine Frau zu werden, doch Cissy ziert sich. Währenddessen hat Max in der Residenz die kaiserliche Familie über die wahre Identität der „Elisabeth Schmidt“ aufgeklärt. Die Hofgesellschaft macht sich auf den Weg zum Gasthof, Max klärt den Kaiser über das Missverständnis auf und nun nimmt auch Cissy Francis Josephs Antrag an. Auf dem Balkon des Gasthofs stoßen sie auf ihr gemeinsames Glück an.

1936 verkaufte Ernst Marischka die Filmrechte zur Operette „Sissy“ an die amerikanische Columbia Pictures. In Österreich und Deutschland durfte das Stück nicht mehr aufgeführt werden: der Komponist Fritz Kreisler war Jude und zudem war dem nationalsozialistischen Regime jede Erinnerung an „die gute, alte Kaiserzeit“, wie sie durch ein solches Stück erweckt werden könnte, ein Dorn im Auge.
Sidney Buchman arbeitete die Operette um, indem er den Stoff einerseits leicht amerikanisierte und andererseits die Handlung voll auf die Hauptdarstellerin Grace Moore zuschnitt. Obwohl die Handlung eindeutig in Österreich spielt, kommt Francis Joseph eher wie ein recht smarter und charmanter amerikanischer Junggeselle aus einer sehr wohlhabenden Familie rüber, der lediglich unter dem Pantoffel seiner Mutter steht. Cissy ist einerseits das burschikose Mädel vom Lande, gleichzeitig aber auch elegant und attraktiv. Die Namen wurden unverkennbar ebenfalls anglisiert. Aus Helene wurde HelenA, das für englische Ohren doch recht hart klingende Franz wurde in das weichere Francis umgeändert und aus Sissy wurde Cissy. Zwar hört man keinen Unterschied zwischen Sissy und Cissy, aber ich erkläre mir die Namensänderung in diesem Fall mit der englischen Bedeutung des Wortes „sissy“ (Weichei, Schwuchtel).
Obgleich „The king steps out“ Musik aus der „Sissy“-Operette beinhaltet, so ist es doch keine Verfilmung des Stücks. Hier singt nur Grace Moore als Cissy, während in der Operette mehrere Charaktere auch Gesangsrollen haben. Eine „werktreue“ Verfilmung wäre eher ein typischer Musicalfilm geworden. Es ist fast schon verwunderlich, warum man sich nicht dazu entschieden hat, das Stück nach dem Originaldrehbuch zu verfilmen – zumal Musicalfilme in Hollywood zu jener Zeit sehr erfolgreich waren. Stattdessen sind Grace Moore und ihr Gesang die Stars in diesem Film – und das ist leider genau der Grund, warum er nicht funktioniert.
Grace Moore war bei der Veröffentlichung des Films bereits Mitte dreißig und daher viel zu alt für die Rolle einer sechzehnjährigen bayerischen Prinzessin. Seitens der Masken- und Kostümbildner machte man sich auch nicht die Mühe, sie wenigstens in dieser Hinsicht jünger aussehen zu lassen. Cissy ist hier nicht das natürliche junge Mädchen, sondern eine vollkommen ausgereifte Frau mit sämtlichen Attributen. Cissy ist dominant und steht auf ganze Kerle, wie sie Francis Joseph auf dem Jahrmarkt zu verstehen gibt. Sie flirtet mit der Residenzwache und bestellt jeden Offizier zum Date ein. Sie verbringt die ganze Nacht mit dem Kaiser, den sie erst wenige Stunden vorher kennengelernt hat, und verschwendet dabei keinen einzigen Gedanken an ihre Familie, sie hat nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Und ein solches Verhalten ist nun einmal
nicht Sisi – weder historisch, noch sonst filmisch. Es passt einfach nicht – weder zur echten Kaiserin, noch zur Rolle in diesem Film.


Unangemessen glamourös: Grace Moore als Cissy mit Franchot Tone als Francis Joseph

Franchot Tone als Francis Joseph ist charmant, aber irgendwie wird man beim Sehen den Verdacht nicht los, dass der Mann sich von einer dominanten Frau (seiner Mutter) nur zur nächsten dominanten Frau (Cissy) hinwendet. Er ist sympathisch, weil er in diesem Film einmal nicht als der steife, langweilige Bürokrat rüberkommt, als der er sonst gerne porträtiert wird.
Die anderen Darsteller sind rollendeckend besetzt, wenn auch die Handlung um den Gastwirt Pretzelberger etwas aufgesetzt bis nervig wirkt.
Regie führte Josef von Sternberg, der vor seiner Auswanderung in die USA in Deutschland unter anderem mit Marlene Dietrich den Film „Der blaue Engel“ gedreht hatte. Es scheint ein wenig, als hätte von Sternberg mit dem Drehbuch nicht viel anzufangen gewusst. Mitunter gelingen ihm ganz schöne Szenen wie bei den Proben der Balletttänzerinnen, dann hat man wieder den Eindruck, er hätte die Kamera einfach laufen lassen und andere Male scheint er genervt auf Grace Moore in Großaufnahme draufgehalten zu haben.
Es ist schade, dass man sich nicht getraut hat, den „Sissy“-Stoff in einer werkgetreueren Fassung als Film zu inszenieren. Wie sich nicht ganz zwanzig Jahre später zeigen sollte, funktionierte die Handlung ja auch ohne Musik – wie beschwingt, wie prächtig und schillernd hätte dann wohl eine Musicalverfilmung nach bester Hollywoodmanier aussehen können? Es hätte ein tolles Musicalmärchen werden können mit all seinen walzerseeligen Melodien und seiner zuckersüßen Geschichte. Stattdessen ist „The king steps out“ trotz einer für damalige Zeiten durchaus prominente Besetzungsliste leider nur eine sehr uninspirierte historische Operetten-Verwechslungs-Geschichte, die ihrem Vorbild leider absolut nicht gerecht wird.

Prinzessin Sissy (1939)
Original Filmprogramm von 1939

„Prinzessin Sissy“ auch bekannt als „Prinzessin Wildfang“ sticht unter den hier behandelten Filmen gleich in mehrerer Hinsicht heraus: zum einen ist er, neben der „Königswalzer“-Version von 1935, der einzige Film, der im deutschsprachigen Raum zur Zeit des Nationalsozialismus produziert wurde. Zum anderen ist er der bisher einzige Spielfilm, der eine –wenn auch fiktive- Handlung erzählt, die die zukünftige österreichische Kaiserin als Kind zeigt. Ebenso interessant ist ein Detail aus den Dreharbeiten: obwohl der Film in Bayern spielt, wurde er in und um Wien herum, nämlich in den Schlössern Schönbrunn und Laxenburg, gedreht. Schönbrunn diente als Double für die Münchner Residenz, während Laxenburg Schloss Possenhofen darstellt.
Obwohl der Titel „Prinzessin Sissy“ eine kindliche Heldin verspricht, kann man den Film sicherlich nicht als Kinderfilm einordnen. Die zukünftige österreichische Kaiserin hat hier lediglich eine Nebenrolle. Hauptperson des Films ist eindeutig ihr Vater Herzog Max (Paul Hörbiger). Auch die Konflikte innerhalb der Handlung (das vertauschte Schmuckstück, die Liebesgeschichte zwischen Hanna Hofer und dem Maler Wittberg) richten sich eher an ein erwachsenes Publikum. Der Film lässt sich eher in das Genre der k.u.k.-Komödien einordnen, in denen eine fiktive Geschichte mit historischen Gegebenheiten und Persönlichkeiten kombiniert wird.


"Prinzessin Sissy" ist der einzige Film, der die Kaiserin als Kind zeigt

1845: Nach einem Besuch am preußischen Hof zu Berlin, bei dem er wegen seiner Jodel- und Zitherkünste gegen sämtliche Hofprotokolle verstoßen hat, schenkt die preußische Königin Elisabeth Herzog Max ein wertvolles Collier, das dieser in ihrem Auftrag seiner Tochter Sissy überreichen soll. Max reist jedoch ohne dieses Schmuckstück nach Possenhofen zurück. Herzogin Ludovika ist darüber nicht sonderlich begeistert und reist mit den anderen Kindern der herzoglichen Familie nach München ab. Max und Sissy bleiben mit einigen wenigen Bediensteten zurück und entdecken in der Nacht einen brennenden Kutschenwagen, der einer Zirkusfamilie gehört. Da Max ein begeisterter Kunstreiter und Zirkusfan ist, bietet er der Artistenfamilie nicht nur ein Quartier an, sondern will ihnen auch finanziell wieder auf die Beine helfen. Die Zirkusmanege in München ist gerade errichtet worden und Max und Sissy planen eine Wohltätigkeitsgala, bei der beide gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Hochadels Kunststücke zu Pferde aufführen wollen. Max macht sich am nächsten Tag gleich auf dem Weg nach München, um seinen adeligen Freunden von seinem Plan zu erzählen und lässt Sissy in der Obhut der Artistenfamilie Lindner zurück. Kurze Zeit später trifft der Maler Wittberg in Possenhofen ein. Dieser hat von Königin Elisabeth in Berlin das vergessene Collier erhalten, das er bei Sissy abliefern soll. Zwar überreicht er der kleinen Prinzessin das Schmuckstück, verwechselt jedoch die inzwischen übermütig probenden Lindners mit der herzoglichen Familie. Verärgert über das unfreundliche Verhalten Lindners reist er weiter nach München.


Herzog Max (Paul Hörbiger) mischt mit seinem Zitherspiel die preußische Hofküche auf

Die kleine Sissy kann mit dem Collier nichts anfangen und schenkt es Lindner, damit dieser es versetzen und mit dem Geld neue Kostüme und Requisiten für seinen Wanderzirkus kaufen kann. Lindner macht sich nun seinerseits auf den Weg nach München, um das Schmuckstück bei einem Pfandhaus zu Geld zu machen. Im selben Pfandhaus lernt der finanziell ebenfalls angeschlagene Wittberg die Enkelin des Pfandhausbesitzers Hanna kennen und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Beide verabreden sich zu einem gemeinsamen Zirkusbesuch, um die Reiterschau des Herzogs und seiner adeligen Freunde zu sehen. Inzwischen jedoch hat König Ludwig I von Bayern den öffentlichen Auftritt des Hochadels untersagt. Max weiß jedoch Rat: die Adeligen sollen einfach maskiert in der Manege auftreten.
Am Abend der Zirkusvorstellung lässt Hanna sich von einer Freundin überreden, das eigentlich verpfändete Collier zu tragen, um Eindruck auf Wittberg zu machen. Allerdings verpassen sich die beiden, da es Wittberg nicht gelingt, für sich eine Eintrittskarte für die ausverkaufte Vorstellung zu erwerben. Währenddessen lässt König Ludwig befehlen, alle an der Zirkusvorstellung Beteiligten ohne Ansehen ihres Standes verhaften zu lassen. Auch Herzogin Ludowika befindet sich in der Vorstellung und erkennt in den beiden wagemutigsten Reitern ihren Mann Max und ihre Tochter Sissy. Doch bevor die Polizei eingreifen kann, gelingt es den beiden, sich nach ihrer Darbietung –die natürlich ein voller Erfolg ist- unbemerkt wieder unter das Publikum zu mischen.

Ludowika ist jedoch während der Vorstellung Hannas kostbares Collier aufgefallen, das sie als eben jenes Schmuckstück identifiziert, das die preußische Königin ihrem Max mitgeben wollte. Sie vermutet, dass Hanna die Geliebte ihres Mannes ist und der sofort aufkommende Tratsch sorgt dafür, dass auch Wittberg glaubt, Hanna sei die Maitresse des Herzogs. Am nächsten Tag, und nach einem heftigen Ehestreit zwischen Max und Ludowika, lässt Max Hanna nach Possenhofen kommen, wo sich dann auch im Anwesenheit Wittbergs und Lindners alle Verwechslungen aufklären. König Ludwig jedoch hat währenddessen Sissy nach München in die Residenz kommen lassen, da er vermutet, dass sie etwas über die Zirkusvorstellung weiß. Besorgt reisen nun auch Max und Ludowika nach München, doch als sie in der Residenz eintreffen sind alle Sorgen unbegründet: die kleine Prinzessin hat das Herz des alten mürrischen Königs erobert und er ist nur zu gerne bereit, ihr und ihrem Vater zu verzeihen.
Wittberg und Hanna haben sich nun endgültig gefunden und verreisen ebenfalls: in die Flitterwochen…


Die kleine Prinzessin (Traudl Stark) erobert das Herz des mürrischen Königs

„Prinzessin Sissy“ ist eine harmlos-putzige Komödie, die zwar unübersehbar etwas Patina angesetzt hat, aber durchaus amüsant ist und mit einigen witzigen Dialogen aufwartet. Dabei ist der Film bei aller Fiktion in einigen Fällen sogar durchaus historisch korrekt. Herzog Max war bekannterweise ein begeisterter Kunstreiter und ließ sich in München eine eigene Manege bauen, in der er als Zirkusreiter auftrat. Auch die Tatsache, dass er auf jede seiner Reisen (hier nach Preußen) seine Zither mitnahm und diese dort auch gerne spielte, ist historisch verbürgt. Laut historischen Quellen soll er sie sogar an den Pyramiden in Ägypten gespielt haben.
Ein weiteres Detail ist gerade angesichts des Entstehungsjahres des Filmes interessant: Herzog Max brachte von einer seiner Reisen ein Paar „Mohren“ mit und ließ sie in Bayern taufen und an seinem Hofstaat als Bedienstete arbeiten. Auch im Film gibt es eine solche Person, den Dienstburschen Mustafa, der hier als Sohn dieses „Mohrenpaares“ fungiert. Er taucht in zwei kurzen Szenen auf: in einer Szene ärgert er die etwas jüngere Sissy, in einer weiteren begrüßt er den Maler Wittberg in Possenhofen. Wittberg kommentiert Mustafas dunkle Hautfarbe zwar mit einem heute durchaus als rassistisch einzustufenden Witz („Wie willst du denn wissen, ob das Wasser sauber ist, wenn du so schwarze Hände hast?“), jedoch wird Mustafa nicht als negativer Charakter dargestellt. Er ist zwar frech zu Sissy, aber nicht böse, vielmehr kann man sein Verhalten als normale Rangelei zwischen zwei Kindern interpretieren. Interessanterweise wird jedoch der Name des Darstellers weder im Vorspann zum Film noch im Filmprogramm erwähnt.
„Prinzessin Sissy“ ist mittlerweile auf DVD erhältlich und die macht durchaus angesichts der wirklich guten Bild- und Tonqualität Freude. Keine Bildaussetzer, wenn auch kleinere Unsauberkeiten, und ein guter Ton ohne großartige Verzerrungen machen diese DVD wirklich sehenswert. Leider kommt die DVD ohne irgendwelches Zusatzmaterial daher, aber dies ist sicherlich dann auch dem Alter des Titels geschuldet.

Erzsébet kiralyné (1940)
Katalin Karády auf einem Pressefoto zu "Erzsébet királyné"

Erzsébet királyné“ (Königin Elisabeth) aus dem Jahre 1940 ist zumindest für Elisabeth-Sammler, die so wie ich der ungarischen Sprache nicht mächtig sind, eine Herausforderung. Bei diesem Film handelt es sich –wie der Titel schon erahnen lässt- um eine ungarische Produktion (Erzsébet ist die ungarische Version des Namens Elisabeth), die bislang auch nur in Ungarn auf DVD erschienen ist und leider ohne Untertitel oder andere Tonspuren auskommt. Ich habe mir trotzdem mal den Jux gegönnt, mir diesen Film über ebay zuzulegen.
Da ich leider wie bereits gesagt der ungarischen Sprache nicht mächtig bin und auch die Inhaltsangabe auf der DVD nur in Ungarisch vorlag, kann ich den Inhalt dieses Filmes nur erahnen, da ich leider auch im Internet nur ungarische Inhaltsangaben gefunden habe. Auch über das Genre kann ich nicht viel sagen, ist es nun ein Drama oder eine Komödie? Auf jeden Fall gibt es in diesem Film einige Personen, die eher der Komik zu dienen scheinen, also bleiben wir mal bei der neutralen Kategorie „Kostümfilm“.


"Erzsébet kiralyné" ist der erste Film, der eine politische Kaiserin zeigt

Der Film spielt um die Schlacht von Königgrätz 1866 herum. Kaiser Franz Joseph befindet sich im Krieg gegen Preußen (und taucht in diesem Film auch gar nicht auf), als die junge Ida Latkóczy (Klári Tolnay) an den Hof der Kaiserin Elisabeth (Katalin Karády) berufen wird, um fortan als ihre Hofdame und Vorleserin zu dienen. Ida ist Ungarin und als solche eine glühende Patriotin, die mit ihrem temperamentvollen Wesen so gar nicht in die vornehme Hofgesellschaft zu passen scheint und von den anderen Hofdamen der Kaiserin daher auch eher mit Misstrauen betrachtet wird. Die Kaiserin jedoch findet schnell Gefallen an dem Mädchen und begeistert sich auch immer mehr für die Sache Ungarns und die Einführung einer Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Als schließlich die Nachricht von der Niederlage der Österreicher bei Königgrätz eintrifft, verkündet Elisabeth dem ungarischen Volk, dass sie sich beim Kaiser dafür einsetzen wird, dass er sich zum König von Ungarn krönen lassen wird, um somit dem ungarischen Volk eine eigene Verfassung und mehr Rechte und Freiheiten zukommen zu lassen.
Wie gesagt, eine Kritik zu diesem Film fällt nicht leicht, wenn man nur erahnen kann, worum es eigentlich geht. Im Mittelpunkt des Filmes steht nicht –wie der Titel suggeriert- Kaiserin Elisabeth, sondern ihre Hofdame Ida Ferenczy, die hier Latkóczy heißt. Diese hatte tatsächlich einen erheblichen Einfluss auf die Kaiserin in Bezug auf Ungarn und stand auch Ferenc Déak sehr nahe, der sich seinerseits für die Belange Ungarns einsetzte und dem man –so will es die Legende- nachsagt, er habe Ida bei der Kaiserin eingeschleust, um sie zu beeinflussen, politisch aktiv zu werden, da die Liebe der Kaiserin zu Ungarn bei den Ungarn durchaus bekannt war. Da Déak in diesem Film auch eine kleine Rolle spielt, kann man dem Film zumindest attestieren, in dieser Hinsicht historisch korrekt zu sein. Der Film kommt mit wenigen Schauplätzen aus, auch handelt es sich bei ca. 90% der Szenen um Studioszenen, Außenszenen findet man nur sehr wenige. Zwar gibt es einige prächtige Kostüme, allerdings fällt auf, dass Kaiserin Elisabeth nur über ein Tageskleid und 2 Staatstoiletten (einer weißen, die der im Winterhalter-Portrait ähnelt und eine ungarische Tracht) verfügt, während Ida öfters mal die Kleidung wechselt, was so historisch natürlich ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre. Allerdings sollte man bedenken, dass der Film aus dem Jahre 1940 stammt und somit während des zweiten Weltkrieges gedreht wurde, was sicherlich auch den ungarischen Patriotismus dieses Films erklärt.


Unter viel "Eljen!" verspricht Elisabeth, sich fortan für die Belange des ungarischen Volkes einzusetzen

Die DVD kommt nicht nur ohne Untertitel, sondern leider auch ohne jegliches Bonusmaterial aus, der Ton liegt lediglich in Mono vor und das Bild ist mitunter durchzogen von Laufstreifen, was auf eine fehlende digitale Überarbeitung schließen lässt. Sollte ich irgendwann mal einen Ungarischkurs machen, werde ich mir diesen Film noch mal angucken, vielleicht verstehe ich dann ja besser, worum es eigentlich geht…


 


 


 

 


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